Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 361 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Samson Raphael Hirsch als Erzieher 361 di• Bestimmung des WilleDS und die Erregung des Gefühls wohl eine hervorragende Rolle in ihnen spielen, aber dennoch in ihrer Bedeutung zurücktrefcen vor der Fülle der neuen Ge׳־ sichtspunkte, dem Reichtum nie geahnter Beziehungen, die der Verfasser aus der Gedankenwelt des Judentums vor unseren Augen entwickelt Wir haben oben ausgeführt, und es ist das ja eine tägliche Erfahrung, dass die Gefühiserregungen sich abschwächen, je häufiger sie wiederholt werden, dass sie wirkungslos verpuffen und ohne alle Früchte fürs Leben bleiben, wenn man ihnen nicht neue Kraft einhaucht durch Verknüpfung und Verflechtung mit neuen Vorstellungen. Dass das überall und ununterbrochen in Hirschs Schriften geschieht, braucht man nicht durch Beispiele illustrieren. Es hiesse ja auch eine ganze Weltanschauung entwickeln, eine Weltanschauung, die zugleich das scheinbar Geringste und Wertloseste in der Welt berücksiehtigt, wollten wir ein rechtes Bild von dem Gedankenreichtum geben, der sich in diesen Schriften entfaltet. Zweifellos ist es vor allem das Verdienst des gewaltigen Gegenstandes, der in den Betrachtungen und in den Kommentaren behandelt wird, dass wir diese Fülle von Anregungen empfangen. IsLs doch das Judentum mit dem von der Gottheit empfangenen Gesetzbuch, seiner allumfassenden biblischen und nachbiblischen Literatur, seiner vieltausendjährigen Geschichte. Und haben doch alle Zeiten und Geschlechter auf diesem unerschöpflichen Boden Schätze über Schätze gehoben. Es ist darum ein seltsamer Einfall, wenn manche Verehrer, übers Ziel hinausschiessend, und im völligem Widerspruch zu der wahren Eigenart des Meisters, der sich überall mit Zurückhaltung äussert, wenn sie den Pentateuchkommentar — den Kommentar nennen und damit die zweitausendjährige Geschichte der jüdischen Pentateuchexegese aus ihrem Gedächtnis streichen wollen. Und doch ist seine Schriftbetrachtung, seine Symbolik, seine Art, aus Gesetz und Sitte, aus Litteratur und Geschichte das wahre Wesen des Judentums geschichtlich zu entwickeln, genial, genial in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Wie die Natur überall den kürzesten Weg nimmt, wie sie mit den einfachsten 2