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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 360

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 360 (sequence 18)
Language
German
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360 Samsoo Raphael Hirsch als Erzieher Gefühlen schwelgenden religiösen Betätigung. Die Aesthetisierung. der Religion, die Meinung, der Dienst Gottes erschöpfe sich in einer ästhetischen Gestaltung des Gottesdienstes, in Chor״ gesang und Orgelklang, prunkvoll erbauten Synagogen, diese Meinung freilich war ihm in der Seele verhasst. Aber bei Hirsch setzt sich ja jede Gefühlserregung, wie wir gesehen, um in einen Appell an den Willen, all die Tiefe der Empfindung, alles Weiche und Zarte, alles Herbe und Harte, das er in seine Worte legt, dient überall und immer einer praktischen Nutzan- Wendung, führt uns auf allen Wegen zu dem einen Ziele, zu der Forderung des Gehorsams gegen das göttliche Gebot. Entscheidend ist das Letzte. Hätten wir es in Kirschs Schriften wirklich nur mit Aeusserungen eines Gefühlslebens zu tun, und wären die Aeusserungen noch so mannigfaltig, und wäre das Gefühl noch so stark und ursprünglich, ihre Wirk״ samkeit wäre eine vorübergehende, nicht von Dauer für den Einzelnen und nicht hinüberreichend in kommende Zeiten. Die Schriften aber haben Menschen gebildet in ihrer Zeit und werden, das ist ohne Prophetengabe schon jetzt vorauszusagen, auch künftigen Geschlechtern die Wege weisen. Und der Grund hierfür, und das ist eben das Entscheidende, ist in ihrem Gedankenreichtum gegeben. Die Gefühle sind nicht leer, sondern getragen und erfüllt von einer schier überwältigenden Masse von Ideen und Vorstellungen. Predigten, und mögen sie noch so bedeutend sein, sind für ihre Zeit, bald lagert auf ihnen Staub, sie veralten und verlieren immer mehr an ihrer ursprünglichen, werbenden Kraft. Das gilt auch von den Dera״ schahs des Mittelalters und der Neuzeit. Mehr als sieben Jahrzehnte sind verflossen, seitdem die Betrachtungen in den Jahrgangen des ״Jeschurun‘•׳ erschienen. In unserem Leben, in unseren Anschauungen, in unserem wissenschaftlichen Denken, haben sich ausserordentliche Umwälzungen vollzogen, aber die Betrachtungen wirken, ais wären siebentegeschrieben. Denn es sind eben keine Predigten, und wollte man sie als solche bezeichnen, so sind es Predigten von einer einzigen Art. Und dies, weil die beiden anderen Momente:

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