Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 359 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Samson Raphael Hirsch als Erzieher 059 und emporführenden Gefühlsmomenten jene unnachahmliche Mischling, welche den Menschen erhebt, wenn sie den Menschen zermalmt. Aber die mächtigste Wirkung üben seine Reden, wenn es wie Donner aus ihnen grollt, wenn er seinem Volk kündet sein Vergehen, dem Hause Jakobs seine Sünde. Mit elementarer Gewalt brausen die Sturmworte heran, das rüttelt und zerrt an uns, das reisst uns empor, jeder Widerstand ist vergeblich. Da ruft er uns auf zu heissem Kampf, hinauf, hinan, zu mutigem Ringen um den Siegespreis. Da prasseln die Blitze des Spottes und der Ironie gegen all die Ueberhebung und das törichte Selbstbewusstsein entarteter Zeitgenossen. Auch hier müssten wir die Betrachtungen ganz wiedergeben, wollten wir Beispiele anführen. Ich erwähne nur unter den vielen die Nissanbetrachtung. *Denn siehe der Winter ist vorüber״ ,״Der Jude und seine Zeit“, ״Der Religionsunterricht“, ״Das jüdische Ceremonialgesetz“, ״Die Trauer des neunten Aw“, alle Tischribetrachlangen usw. Ich fürchte den Vorwurf, den der Talmud David entgegenhielt auf seine Worte ״ זמירות היו לי חקיךGesänge sind mir deine Gesetze“. Ist die Betonung des Gefühlsmässigen nicht eine Entwertung dessen, was mit dem Anspruch unverbrüchlicher Gültigkeit und Wahrheit auitritt? An anderer Stelle habe ich gezeigt und es mit Stellen belegt, dass im Talmud zwei Richtungen herrschen, die eine, die die ästhetische Wertung der Thorawerke verwirft, und die andere, die sie würdigt und anerkennt. Und so mögen auch für die Schriften Hirschs die beiden Anschauungen ihr Recht sich wrahren und ich meine, es ist das beste Kriterium für die wahre und unvergängliche Grösse Hirschs, dass Menschen von den verschiedensten Anlagen, die einen mit zarterem Empfi nden und die anderen, die kühlen Denker und Kampfesnaturen, den Namen des Meisters mit gleicher Verehrung nennen. Freilich, würde Hirsch nicht selbst gegen diese Hervorhebung des Gefühlsmässigen in seinen Schriften entschieden protestieren? War er doch der geschworene Feind aller in