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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 357 (sequence 15)
Language
German
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Samson Raphael Hirsch als Erzieher 357 treuen Judentums zu bestimmen, das stellt Hirsch sich als Aufgäbe. Es ist kühn, bei dem weitschichtigen Material, das als Ergebnis einer so gesegneten nahezu sechzigjährigen literarischen Wirksamkeit vorliegt, eine allgemeine Behauptung aufzustellen. Ich glaube sie wagen zu dürfen. Es gibt wohl keinen Aufsatz, keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, keine grössere zusammenhängende Stelle in seinen Kommentaren, keine Besprechung eines noch so entlegenen Themas, die nicht in irgend einer Form auf das Ziel zusteuerte, den Willen des Lesers zu bestimmen, d. h. für Hirsch: ihn zum Gehorsam gegen Gott und Sein heiliges Gesetz zu führen. Die ״Gesammelten Schriften״, die ein sehr gutes Bild der Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit von Hirschs literarischen Arbeiten geben, eignen sich am besten dazu, diese Behauptung nachzuprüfen. ״Die jüdische Heiterkeit,״ ״Die Kunst schön zu sein und lange zu leben“, ״Der jüdische Gemeinsinn“, ״Einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als gemeinsames Bildungselement“, das sind Aufsätze, die mehr kulturhistorischen Charakter tragen, und doch wie sind auch sie letzten Endes darauf angelegt, die Leser zu Juden zu erziehen, zu Willensstärken Juden, die in dem Bewusstsein von der alles überragenden Bedeutung ihrer Religion, ihrer Sprache, ihrer Kultur, ihrer nationalen Eigenschaften den Vorschriften folgen, den göttlichen Geboten, die ihr ureignes, besonderes Wesen geprägt haben. Soll ich hier den Nachweis führen, wie Hirsch den Willen der Leser sich, oder besser seinen Zielen dienstbar macht durch die Erregung des Gefühls, wie er mit unerreichter Meisterschaft alle Saiten des Gefühllebens erklingen lässt, uns bald zur seligen Lust emporhebt, bald in düsteren Schmerz versenkt? Der hat nie seines Geistes einen Hauch verspürt, der nicht in allen Fibern erzitterte, dem nicht ein Rieseln über den Rücken rann, wenn er die Perlen unter Hirschs Kalenderbetrachtungen las. Gesänge sinds, aber Gesänge von einer seltenen Mannigfaltigkeit Da erklingt eine liebliche Weise1): 1J Ada$betrachtucg: ״Die verschiedenen Grössen/ Ges.Schr. II S.59.

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