Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 352 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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352 Samson Raphael Hirsch als Erzieher Soll ich die Schilderung meiner Wanderungen fortsetzen? die Beispiele werden genügen. Ein Menschenalter ist seitdem dahin gegangen, die einzelnen Züge haben sich in der Erinnerung Yielleicht verwischt. Aber im Grossen und Ganzen gab ich ein treues Bild, wie Hirschs ״Jeschurun“ auf mich wirkte draussen in Gottes freier Natur, wie Naturbetrachtung und Hirschs Gedankenwelt sich mir zu einer Einheit gestalteten, und gemeinsam mich bildeten und erzogen. Diese Einheit war keine subjektive Zutat von mir. Sie ist in der Sache gegeben. Wie jeder echte und rechte Erzieher ist Hirsch von der Natur ausgegangen. Das liesse sich durch Zergliederung seiner Aufsätze und Abhandlungen erweisen. Doch solche philologische Kleinarbeit kann hier nicht unsere Aufgabe sein. Sie erscheint auch überflüssig, denn die Bewunderung für die Natur, das liebevolle sich Versenken in die unendlich mannigfaltigen Reize, in die unvergängliche Schönheit, die sie dem aufmerksamen, sinnigen empfänglichen Betrachter bietet, das alles ist zu sehr mit den Kerngedanken von Hirschs Weltanschauung verknüpft, als dass sich ein Zwyeifel regen könnte. Die Lebensbejahung, das Glück des Diesseits wird ja in allen möglichen Wendungen von ihm verkündet. Und er sollt8 die edelste Quelle des irdischen Glücks, den ureigensten Lohn des gottergebenen, gottgetreuen Dieners die Freude an der gotterscbaffenen Welt vernachlässigt haben? Ein in seiner Schlichtheit rührendes Wort von Kirsch ist mir berichtet wrorden. Er konnte und wollte nicht die heutzutage beliebten jährlichen Sommerreisen unternehmen, konnte und wollte in seinem Amte, in seiner rastlosen Arbeit nicht eine längere Unterbrechung eintreten lassen. Einmal entführte sein Schwiegersohn ihn nach der Schweiz. Und als er heimgekehrt war, da meinte er: Ich fürchtete mich immer, wrenn ich einst vor Gottes Richterstuhl erscheinen würde, vor der Frage: ,Ich habe eine so schöne Welt geschaffen, was hast du von dieser Welt gesehen?“ Nun kann ich doch Rede stehen. Das schönste und gewaltigste Stück seiner Erde habe ich geschaut! Und wieviel Eindrücke hat er aus einer schlichten Rheinfahrt gewonnen. ,Aus der Mappe eines wandernden Juden“ sind