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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 351

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 351 (sequence 9)
Language
German
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Samson Raphael Hirsch als Erzieher 351 ist es, die den Widerstreit löst in des Jünglings Brust, den inneren Kampf beendet, der sieh so oft, wenn auch unbewusst, im Innern unserer jüdischen akademischen Jugend ahspielt. Die besten Jahre hat sie dem Kumanitätsideal der Antike geopfert, in glühenden Farben wurde ihr die Welt des Schönen geschildert, wie sie bei den Hellenen in nie wieder erreichter Vollendung sich entfaltet hat. Und demgegenüber der strenge Ernst des jüdischen Pflichtenlebens, die klare aber darum oft harte und poetischer Form entkleidete Arbeit talmudischer Forschungsmethode. Aber Hirsch lässt sich also vernehmen: ,Nicht umsonst hat Gott seine Welt mit dem Gewand des Sehönen umkleidet, in Fermen und Töne das Gesetz der Harmonie gesenkt und dem Menschen Aug? und Ohr geöffnet, diese Karmonieea zu erfassen und sich ihrer im Geiste und Gemüto zu erfreuen. Mit jeder Empfindung des Erhabenen, die dem Menschen der bestirnte Himmel und das Strahlendiadem der kommenden und scheidenden Soene bringt, mit jeder Freude, die er an der Anmut und der Schönheit einer Blume empfindet, wird er über den engen Erei3 beschränkter Nützlichkeit gehoben und ein Ton in seinem Inneren angeschlagen, der in inniger Verwandtschaft zu der noch höheren Empfindung für das sittlich Schöne steht und ihn der Empfänglichkeit für dieses um einen bedeutenden Schritt näher bringt. Und weil der allgütige Schöpfer die Freude am Schönen, eben als Vorstufe für seine höhere Vollendung, tief in die Brust des Maschen gelegt und in diesem durch da3 Schönheitsgefühl veredelten Dasein derMenseh erst wahrhaft seiner seihst froh wird und zum heiteren Genus3 des irdischen Daseins ersteht, darum eben verwirklicht sich der Sehersprueh an dem Triumph des jgphetischcn Geistes über alle Gemüter, darum öffnen sich rasch und gern die Pforten des Gemütes der hellen Ecken Kultur: und der Kalokagathia, der durch das Gefühl des Schonen vermittelten Tugend griechischer Bildung, ist der verheissene Sieg gewiss“. Wie nun Hirsch des Weiteren zeigt, dass das Sehönkeitsideal des Hellenismus dennoch nur eine Vorstufe des Judaismus ist, dass der semitische Geisterst die Erfüllung und die* wahre Vollendung der Menschheitsziele gewährleistet, das ist in wenigen Worten nicht wTiederzugeben. Unzählige Male habe ich diese Abhandlung gelesen, Unzähligen sie zur Lektüre empfohlen, immer neue Anregungen für pragmatische Geschichtsbetrachtungen aus ihr empfangen.

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