Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 349 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Samson Raphael Hirsch als Erzieher 349 wird mir die Wahrheit: das Judentum ist nicht zeitgemäss, und sein höchster Ruhm ist es, dass es nie zeitgemäss gewesen. Wie lächerlich klein erscheint die Zeit gemessen an der Ewigkeit, wie bedeutungslos die herrschenden Ideen einer Zeit gegenüber dem von Gott übermittelten Gesetz an Sein Volk, dem es selbst und die Menschheit heranreifen soll im ewigen Wandel der Geschlechter. Ich raste im Laubwald. Um mich ein reges Leben und Weben, eine reiche Flora und Fauna. Kaum fassen die in der Grossstadtiuft verkümmerten Organe all die Welt von Luft und Duft, von Klang und Sang, von wimmelnder Regsamkeit, die hier sich entfaltet. Man sieht förmlich die Säfte emporsteigen, hier welkende Blüten, dort schwellende Früchte. Aus der Ferne der Ruf des Kukuk, hoch über uns pfeift der Pirol, aber schmetternd übertönt sie der Sang der Drossel. Ein Lächeln tritt auf meine Lippen♦ Der Specht ist wieder einmal um den Baum gerannt, und recht einfältig schaut er aus, er sieht sich wieder genarrt. Es raschelt in den Zweigen, hoch oben im Wipfel wiegt sich das Eichhörnchen und blinzelt mit seinen klugen Aeuglein herab auf den Eindringling. Aber erst am Boden, was für ein geschäftiges Treiben! Insekten aller Arten schwirren heran, saugen an den Blüten im Unterholz und enteilen geschwind. Die mannigfachsten Käfer versuchen ihre bescheidenen Kletterkünste an den am Boden liegenden Zweigen aber ernster und schwerer Arbeit sehe ich die beiden Ameisen hingegeben, die mit ihrer Last sich nun gemeinsam so lange schon mühen und sie doch erst eine kleine Strecke fortbewegt. — Und hier, völlig hingegeben der Betrachtung der Natur, sinne ich der Gedankenwelt Kirschs nach, hier erwachsen in mir seine Ideen über das Gottesgesetz zu neuem und mir für alle Zeit ureigenen Leben. Baum und Strauch, Halm und Blume, die Tiere, gross und klein, hinab bis zum Unscheinbarsten, sie alle folgen dem göttlichen Gesetz, und nur weil sie es befolgen, treu und verlässlich, nicht um Haaresbreite weichend von dem ihnen gewordenen Gebot, darum zeigt sich uns die Natur in der Pracht der Vollendung, darum die von keinem Missklang