Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Reisezeit 339 Anregung zu Betrachtungen und Erwägungen, wie man sie so leicht nicht anderwärts findet. Ihnen geistvollen Ausdruck verliehen zu haben, ist der Verdienst von Rabbi Cbaim Zwi Hirsch1), der dem Reisegebete kleine hebräische Essays angereiht hat# die vom jüdischen Standpunkt aus eine Bahnfahrt betrachten. Er sieht in ihr ein Spiegelbild der Lebensfahrt und vergleicht ihre einzelnen Phasen, von denen einige hier angedeutet seien. Der ganze Zug mit allen Insassen ist der Sorgfalt des Führers anvertraut, wäre dieser auch nur einen Augenblick nicht achtsam genug, würde einen Blick er nur wenden von den Geleisen der Strecke, alles im Zuge wäre dem Tode geweiht. So wendet auch der himmlische Lenker der Welt, der Führer der menschliehen Lebenskreise seinen Blick von den Pfaden nicht, die die Sterblichen hinieden wandeln. — Wie zeitig stellt der Reisende am Bahnhof sich ein, lange vor der Abfahrt des Zuges, dass er diesen nur nicht versäume. Ist des gleichen Eifers und der gleichen Pünktlichkeit nicht die Lebensreise wert, die Erfüllung der Vorschriften Gottes, die dieser als Fahrkarte dienen?! Im Wartesaal wartet dicht gedrängt lärmend und schmausend die Fülle der Menschen, da wird zum Einsteigen abgerufen, im Augenblick ist der Saal geleert, um bald wieder mit anderen Gästen sich zu füllen. Die Erde im Wartesaal, mit schmausenden Menschen gefüllt, bis der Abruf erfolgt und ein neues Geschlecht zu leben beginnt. — Wie ein Zug am anderen vorüberfährt, kaum erblickt und schon entschwunden, so sind die Tage des Lebens, ein vorübereilender Schatten. — Ein Pfiff der Maschine, ein Zeichen, dass nicht fern mehr der Bahnhof, das Ziel der Reise, zum Gepäck greift der Fahrgast, nimmt die Fahrkarten zur Hand, damit er zum Aussteigen fertig. So 8011 auch, wenn der Grenze des Lebens man naht, man denken an das, was man mitnehmen 8011, was man vorweisen will, um den Uebergang zu erlangen: מkehre um einen Tag vor dem Tode״. — Im Abteil ג) Sein Enkel S. W. Bengis, Lappienen gab die 2. Auflage des Werkchens heraus. Da auch diese fast vergriffen, plant er die Herausgäbe der 3., doch fehlen ihm hierfür die Mittel. Vielleicht regen diese teilen Gönner zur Unterstützung des Vorhabens an.