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Jeschurun · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · page 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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830 Josef Israels usw. ohne Paradoxie sagen, dass bei Israels das ganze jüdische Seelenstreben mitmalt; dass jüdische Weltbetrachtung in künstlerischem Gewand erscheint. Mit grosser Innigkeit sieht er Menschen und Tiere, Meer und Landschaft. Das natürliche Gefühl des religiösen Juden, dass Alles Erscheinung und Verwirkiichung der Gottheit ist, wandelt sich in eine allbeseelende Naturbetraehtung, die kein Wesen, keine Pflanze, kein Gestein aus ihrer Liebe verweist. Ahawoh ist der Grundcharakter seines künstlerischen Sehens. Aber Sehen ist noch kein Gestalten. Sehen ist eine notwendige Voraussetzung: Gestalten dagegen ist die Fähigkeit, das Gesehene festzuhalten, das Erlebte umzuscbaffen, die Schau zu verewigen. Darin vollendet er sich immer mehr und kommt zu einer eigenen künstlerischen Form, zu seinem Stil. Was künstlerische Form, was Stil sei, hat die heutige Kunstbetrachtung immer tiefer erkannt. Es ist die Art, wie etwas geschaffen ist, nicht die inhaltliche Sache oder der Vorwurf. Zwar ist Israels kein vollendeter Zeichner gewesen, und seine Farben waren nicht überwältigend reich, aber er hat doch seinen Stil gehabt, eine eigene Form entwickelt und so ״gestaltet“, das ist: alles umgeschaffen nach seinem eigenen Sinn. Wohl meinen die Meisten, seine Bedeutung läge darin, dass er so vertrauend war und so rührend erzählen konnte. Fast immer hat sich der nicht absolut Künstlerische so des Kunstwerks zu bemächtigen gesucht, dass er immer nur das Was, nie das W i e gesehen hat. (Heute z. B. wird der gleiche Fehler angesichts des frühverstorbenen Lehmbru^k begangen, der in Wirklichkeit wegen seiner eigentümlichen Formensprache eine der schwerstzugänglichen Erscheinungen ist). Israels selbst, da er zugleich auch Dichter war, hat diese Verwechslung begünstigt. Rein künstlerisch aber kann er nur gewertet werden, wenn man seine Formensprache erkennt. Er ist ein eminenter Landschafter, im rein schauenden und doch synthetisierenden Sinn. Seine Sprache soll die Sprache der Natur sein, sein Werk ein Werk wie Natur. Er wollte Kunstwerke schaffen, wie ein Künstler die Natur geschaffen hätte: nach den Gesetzen der Harmonie

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