Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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Josef Israels usw. 328 vermöchte er eine Kunst zu begreifen, die äusserlich so unproblematisch scheint, etwas kindlich, vielleicht gar flach, so gar nicht letzten Rätseln nachsinnend, ganz erdgebunden vielmehr ist, naturhaft und von einer stillen Milde. Er rast Problemen nach, schaurigen Fragen, die er für ureigenst hält, während sie gerade typisch sind und der Jugendzeit des Geistes angehören. Wie steht das Ich zur Welt? Auch die bildende Kunst beantwortet diese Frage. Die Modernsten entwickeln sie aus einem übersteigerten Begriff des Ich: das!}epische Verhalten des Sturm und Drang, wie es sich ebenso einleuchtend in Philosophie und Dichtung zeigt und seinen klassischen Ausdruck im deutschen Geistesleben schon einmal gefunden hat.— Die Naturkünstler dagegen legen ein menschenumfassendes Naturerlebnis zugrunde und bringen alles Menschliche, indem sie es so relativieren, im Angesicht der Natur zur Erlösung. Dies ist der ewige Zauber der holländischen und der grossen französischen Landschaftsmalerei, aber aueh der griechischen Plastik, die ja auch am Erlebnis der reinen Natur orientiert ist. Das Menschliche ist aufgehoben im Allweltlichen. Natur ist die heilige Mutter, die alles Lebendige trägt. Nur der im wahren Sinn Kultivierte kann eine alte Kunst begreifen, und eine neuzeitliche Kunst, die in ihrem inneren Wesen ״alt“ ist. Denn er verlebendigt das Alte, sodass es ganz jung und lebenssprühend wieder auflebt in ihm. So erlebte Goethe die Antike, dieser grösste deutsche Künstler, der die Unendlichkeit seines leidenschaftlichen Gemüts in die reinen Formen einer reifen Kunst gebettet hat. — Aehnlick erlebte Israels die holländische Kunst und Rembrandt, den tiefsten Maler des neuzeitlichen Abendlandes. III. Nach Verlassen der Schule wollte er Rabbiner werden, studierte Hebräisch und vertiefte sich in den Talmud. Plötzlich erwachte sein bildnerischer Drang. Er arbeitet bei Kruseman in Amsterdam (1844), wo er in Breestraat wohnt, der segens-