Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Josef Israels usw. ' einen bestimmten Platz im Menschheitsleben zuweist; einen anderen Platz hat er für die Gotik, für die Renaissance, einen anderen für Barock und Rokoko, einen anderen für die Moderne in ihrer wunderbaren Vielfalt, ganz zu schweigen von den morgenländischen und primitiven Kunstepochen, die in ihren letzten Ursachen zu begreifen die Arbeit von Jahrhunderten sein wird. Sofern er nur beschreiben will, zeigt er Stilwandlungen auf, Uebergänge, schon Andeutungen des Neuen, Reste noch des Früheren, erschöpft sich darin, die Epochen in Teile aufzulösen, ohne sie aber im höchsten Sinn wieder miteinander zu verbinden. Denn Mancher glaubt, dass solche Verbindung schon ein ausserempirisches Element sei, das sein kritischer Geist verschmähen müsste. — Selten aber wird er bei reiner Beschreibung bleiben können. Er muss Zusammenhänge geben und wird notwendig zum spekulativen Denker. Er weiss, dass jedes Erlebte und Geschehene in einem grossen Kreislauf nur ein Glied ist und ahnungsvoll verewigt er die Tatsachen der Geschichte und des Geistes, weil er in allen eine grosse wirkende Macht erblickt. So wird er notwendig zum metaphysischen Deuter. Der Kunst vindiziert er eine bestimmte Stellung in seinem geistigen System. Die einzelnen Künste und die einzelnen Künstler sind ihm Verwirklichungen eines umfassend gedachten künstlerischen Triebs der Menschheit. So schliesst sich für ihn der Ring der Gedanken. Der Künstler ist nur ein Verwirklicher des künstlerischen Bewusstseins überhaupt; das künstlerische Bewusstsein überhaupt ist eine grosse Seelenmacht, die in dem menschliehen Geistesleben ihre innere Kraft auswirkt, doch ergänzt und vollendet wird vom übrigen menschlichen Geistesleben. Einen Künstler verurteilen, nur weil er eine geschichtliche Bindung zeigt, heisst zugleich, das Wesen des Künstlers nicht begreifen. Das Künstlerische als Idee ist zeitlos, der Künstler selbst aber ist immer auch empirisch gebunden. Als Genie schöpferisch, überstrahlt er seine Zeit; als geschichtlicher Mensch ist er von der Welle seines Zeitalters getragen. Grosse Kunst, so zeitlos als Wert sie ist, als Werden und G e w 0 r -