Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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Moderne westliche Ghettoliteratur 324 Amerika zurückgewiesen, da er von einer Fieherkrankheit einen Kopf־ ausschlag zurückbehalten hat. Der Knabe kehrt in Begleitung der um einige Jahre älteren Schwester nach Russland zurück und lernt dort im Cheder weiter. Mit zwölf Jahren kommt Jossele endlich nach Amerika zu den Eltern, wird dort in eine Armen- (Frei-)Schule gesteckt, soll ohne Kopfbedeckung Englisch und andere Fächer lernen, soll Sport treiben, in Licht und Freiheit aufieben, — doch er vermisst seinen ״Cheder״, sein ״Lernen®, seine Felder, und ist unglücklich, siecht geistig und physisch dahin. Jossele findet Vater und Mutter und Geschwister so verändert, amerikanisiert, er findet eine Welt voller Zwecke, ohne Träume und Sehnsucht; der Vater, früher ein Gelehrter, im ganzen Städtchen bekannt, ist jetzt Arbeiter in der Fabrik, nüchtern, ruhelos, entheiligt, der nie Zeit zum Lernen für sich und den Sohn übrig hat. Jossele sitzt tagelang versonnen und versunken in der amerikanischen Schule, er hat sein Bestes, sein Heim und seine Schule verloren. Er wird matt, krank, verfällt, verzehrt sich in Sehnsucht nach dem freien Gefilde der Heimat, und stirbt, ein Symbol des menschenfressenden Amerika- Man sieht aus dieser Inhaltsangabe, das Ganze ist mehr ein Kinderidyll als eine soziale Tragödie, es fehlt eine kraftvolle Darstellung des jüdischen Gesellschaftsproblems; doch fallen aufschlussreiche Lichter auf den russisch-amerikanischen Auswandererschlag und sein Leben. Einen Ghetto-Ueberwinder nennt Zlocisti *) Sch. Asch, weil er ״die jüdische Literatur wieder in das Strombett europäischer Kunst geleitet hat.a Dort (Einleit., p. LXIV), weil er des kleinen Ghettos unvergängliche Schönheit, seine innere Freiheit, seine keusche Naturliebe entdeckt hat. Er hat die natürliehe Schönheit des Ghettos entdeckt, so möchten wir hinzufügen, aber er ist auch deren Vernichter. Das sehen wir in manchem seiner übrigen Werke (,Die Jüngsten״), dies beobachten wir in seinem eben skizzierten Roman ״Amerika.״ Im Dorf, im S t ä d t e I wächst Schönheit, wächst Naturgefühl, Erdgefühl, Verwurzelung mit der Scholle (die im Grunde doch fremder Boden ist), wächst zarte Stimmung und Romantik, — doch anders in der Grossstadt New- York. Diese ist jeder Schönheit ״ (גAus einer stillen Welt®, herausgeg. und eingeleitet von Theodor Zlocisti, Verlag Winz, 1910.