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Jeschurun · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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Moderne westliche Ghettoliteratur 323 the Gate0) oder in der SkizzeusammluDg von Abraham Cahan (The Imported Bridegroom, ,Yekl“ u. a.) oder in den Amerika-Romanen eines Schalom Asch uns entgegentreten. Sie treffen kaum eine neue Note gegenüber den bisherigen typischen Ghettoromanen. Schalom Asch hatte seinerzeit durch sein vielbesprochenes Drama: ,DerGott der Rache״ Aufsehen in Deutschland und somit in der ganzen Hterarischen Welt erregt. Wie Heyermanns für die Westjuden hatte Asch hier das soziale Problem der Ostjudenheit zu lösen oder wenigstens zu spiegeln versucht, hat aber nur im Grunde eine höchst unerquickliche Familiengeschichte in einem polnischen Städtchen (ein Einzelfall: ein jüdischer Mädchenhändler mit seiner Sippe tritt auf, sie leben streng fromm, sogar noch im Gefängnis) auf die Bühne gebracht. Der Fall interessiert kulturhistorisch, wir sehen schaudernd die Verirrungen gewisser Kreise des Ostens (es wurde damals viel gegen die Verallgemeinerung dieses Einzelschicksals geschrieben und offiziell protestiert), doch für ein ganzes Volk typisches Interesse kann das Drama nicht beanspruchen. Aschs Stärke liegt im Lyrischen, in der tendenzfreien, andächtig-beschaulichen, naturanbetenden Novelle, (״Das Städtchen״ ,״Die Jüngsten“) in der tiefempfundenen, liebevollen Menschenstudie. So charakterisiert sich auch sein uns hier angehendes grösseres Werk, der Roman ״Amerika“: Es ist ein AuewandererromaD, hat den Gegensatz zwischen dem alles nivellierenden und mechanisierenden New-Yorker Ghettoleben und dem russisch-jüdischen Leben des kleinen Städtchens zum Gegenstände. An der Hand einer ergreifenden Kindertragödie wird dieser Gegensatz anschauüch gemacht. Der jüdische Lehrer Meier wandert infolge wirtschaftlicher Not nach Amerika aus, lässt die Frau und vier Kinder zurück, drei Söhne und eine Tochter. Die rührendste Gestalt ist der jüngste achtjährige Jossele, ein schwächliches doch sehr begabtes Bürschchen, das Herzblatt und der Stolz der Familie. Meier findet Beschäftigung in New-York als Maschinenstepper, eine Geist und Herz tötende Arbeit, er kommt da nie zum ״Lernen״, verflacht zur Maschine. Jossele wird im Cheder zu Hause inzwischen ein guter ״Bocher״, von dem das Städtchen spricht. Nach Jahren lässt Meier seine Familie herüberkommen, Jossele wird aber bei der Landung in

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