Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Moderne westliche Ghettoliteratur 322 der spät abends von seiner Arbeitsstätte heimkehrt und gerne ein Lächeln, ein Lallen seines schlaftrunknen Kindes er־ haschen möchte, aber ach! er weckt das Kind, scherzt mit ihm, poch dieses erkennt den fremden Mann nicht, den eignen Vater, den es noch nie bei Tageslicht gesehen! Grausame Ironie, blutiger Spott fuhrt hier den Griffel des Lyrikers! Und so geht es jahraus, jahrein, das ganze Leben hindurch webt die blutsaugende Spinne ihre Maschen um ihre Opfer! Etwas möchte der Arbeiter in diesem sonnenlosen Kampfe erretten: sein Denken, seine menschliche Seele — aber auch diese wird zerrieben unter den erbarmungslosen Rädern des Maschinenbetriebes. Das ist die Tragik des Arbeiters, des jüdischen Auswandrers im Lande der Freiheit. — So ist M. Rosenfeld der Sänger des jüdisch-amerikanischen Proletariats, des jüdischen New-Yorker Massene 1 e n d s geworden. Ja, Rosenfeld wird sogar anarchistisch , zum Ankläger gegen die bestehende Gesellscliafts־ Ordnung! Eine Familie wird vor den Landrichter zitiert wegen Verdachts der Landstreicherei, der Vater der armseligen Familie bittet um Aufschub, um sich einen Erwerb zu suchen, der Richter bleibt unerbittlich, das Gesetz ist dagegen; der Dichter flucht einer Gesellschaftsordnung, wo solche Geschehnisse möglich sind. Sogar vor der Romantik einer Leichen- Phantasie schreckt R. nicht zurück in dem Gedichte, wo er erkennt, dass selbst die Blumen auf den Gräbern der Reichen von dem Blut und Fleisch der Arbeiter sich üppig nähren. — So ist finsteres Mittelalter, drückende Judenhetze nicht sehlimmer als dieser Tod am lebendigen Leibe im modernen Ghetto, und nur ganz selten und spärlich wachsen zarte Blümlein der Freuden, der Vater- und Kindesliebe in diesem selbstgewählten Ghetto der Arbeit und des Schweisses. — Fast wie harm-lose Idyllen lesen sich nach diesen Donnerklängen der lyrischen Muse Rosenfelds amerikanische Ghettoschilderungen, wie sie in den Prosaerzählungen eines Samuel Gordin (״Sons of the Covenant״ ,״Strangers of