Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Moderne westliche Ghettoliteratur 321 des Arbeiters im allgemeinen, aber des jüdischen Arbeiters im besonderen. Der Jude als Arbeiter ist doppelt unglücklich, denn da kommt zur materiellen Not noch die geistige. Bei der Tretmühlenarbeit der Maschine hat er Zeit, über sein Schicksal nachzudenken, er fühlt, wie seine Menschenseele allmählich unter die Räder kommt, wie er selbst ein totes, fühlloses Werkzeug dieser maschinellen Beschäftigung wird. Auf diesem Schlachtfelde gibt es nur ״ Sieger und Besiegte, Ausbeuter und Ausgebeutete, Sklaven und Herren“ (s. Pines, 1. c.). Am schlimmsten ist aber sein Los, wenn der in seiner Hoffnung Betrogene, von den Wogen des Ozeans ergriffen, wegen irgend eines formalen Fehlers, des fehlendes Geldes oder der Gesundheit halber bei der Landung in Amerika zurückgewiesen, seinen Rückweg nach dem elenden Russland wieder antreten soll (״Amerika treibt uns nach Russland zurück“), da erfasst ihn unnennbare Verzweiflung über sein G 0 1 u s s c h i c k s a 1, das dem des Ewigen Juden gleicht: von Klippe zu Klippe geworfen, nirgends ein Heim, nirgends seines Bleibens eine Stätte. Sein Missgeschick, seine Unstetigkeit wird solange währen, solange das nationale Goluselend der jüdischen Kinder dauert, solange der Traum von der Heimat Palästina nicht erfüllt ist. Also Befreiung des Arbeiters durch Befreiung der Nation, das sind die zwei Gipfelpunkte der Rosenfeldschen Lyrik. Dieses Eine, die Hoffnung auf die Verjüngung und Erlösung des jüdischen Arbeiters durch ein nationales Heim, dies ist der einzige Lichtblick in den sonst meist hoffnungslos pessimistisch verklingenden Gedichten Rosenfelds. Einen einzigen Tag wünscht sich der Arbeiter in der Woche zur Ruhe — er erhält ihn nicht; ja, i m Grabe, da winkt dir Ruhe! Den Duft einer einzigen Feldbluine möchte er einatmen; gewiss, bald winkt dir dies kostliehe Geschenk — auf dem Friedhof. Frische Kleider möchtest du anlegen, im B a d e die arbeitsmüden Glieder erquicken, — warte nur bald, als Leichnam sollst du gebadet und frisch bekleidet werden. Unglückseliges Los des Vaters,