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Jeschurun · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · page 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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320 Moderne westliche Ghettoliteratur akter: ״Ahaswer״, bei Reklam erschienen, hat H. den Schauplatz einer Pogromszene nach Russland verlegt, das Ganze ist nach dem Muster Tschiikoffs ״Die Juden״ gearbeitet und gibt zu Besprechungen keinen Anlass). Was Heyermanns besonders zu fehlen scheint, das ist die Liebe zu seinem Volke, eine Kraft, die alle die andern Dichter des Westghettos (Rosenfeld, S. Gordin, Sch. Asch, Zangwill) in hervorragendem Masse besitzen. Wo immer diese von ihrem Volke künden, tun sie es trotz strenger Wahrheitsliebe mit einem versöhnenden Unterton, sie sind wahre Poeten, die mit glättender Hand manche Falte beseitigen und das Schroffste und Brutalste durch einen Goldschimmer der Poesie mildern. Betrachten wir als einen solchen Typus des versöhnenden Wafcrheitskünders zuerst den amerikanischen Ghettodichter Morris Rosenfeld1). Im Jahre 1897 erschien seine berühmte Sammlung: ״Das Liederbuch,״ welches durch das mutige Eintreten der Literarhistorikers Prof. Leo Wiener für den armen Dichter und Schneider bald amerikanisch-europäische Berühmtheit erlangte. Allgemein bekannt ist die von E. M. Lilien illustrierte Ausgabe der Ghettolieder. — R 0 s e n f e 1 d ist in erster Reihe sozialer Dichter, er besingt das schwermutvolle Los der Niedrigsten seines Volkes. Ohne das berüchtigte sweatshop-system, das den russisch-polnischen Einwanderer in Amerika zum Lohnsklaven einiger Brotherren (meistens Glaubengenossen und frühere Handwerker) herabdrückt, wobei diese Taglöhner der Handarbeit unter den schlimmsten hygienischen Lebensbedingungen und um geringen Lohn von frühmorgens bis in die sinkende Nacht die einförmigste Stepp- oder Näharbeit tun müssen — ohne diesen sozialen Hintergrund sind Rosenfelds Lieder nicht denkbar. — Der Grundgedanke in Rosenfelds Dichtungen ist ein doppelter: ein sozialer und ein nationaler, doch beides geht oft bei ihm in einander über. Rosenfeld ist der Dichter des Leidens und der Schmerzen *) 8. zum folgenden Pines, Geschichte der jüdisch-deutschen Literatur, übersetzt von Hecht, Leipzig 1913.

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