Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293004-2293008--05080-2298362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

282 Der konsequente Nationalismus Nachweis, dass die Gedankenwelt Achad Haams nicht in das von Klatzkin beliebte Schema passt, ist diese nicht tot zu schlagen. Auch Mer steht höchstens Behauptung gegen Behauptung. Woher weiss es Klatzkin, dass die Blüte des nationalen Zentrums der Tod des Galuth bedeute. Und auch der Entwicklungslehre, die Achad Haam als Prinzip für die Fortbildung innerhalb des Judentums annnimmt und von der er eine Versöhnung zwischen dem alten Typ des Galutbjuden und dem von Kultur und Wissenschaft aller Völker getränkten Nationaljuden erhofft, dieser Entwicklungslehre zu widersprechen hat gerade Klatzkin das letzte Hecht. Will er nicht eine Nation niedrigsten Grades, dann muss doch wohl angeknüpft werden an die Vergangenheit. Klatzkin selbst will ja die alten Ruinen wenigstens vor dem völligen Verfall schützen. Wie denkt er sich, der doch nicht wie wir an die Unabänderlichkeit des Gottesgesetzes und seinen ewigen Wert glaubt, eine organische Verbindung zwischen dem Alten und Neuen wenn nicht auf dem Wege der Entwicklung? Und in der Tat sind die letzten Kapitel seines Buches ein einziger Rückzug, mit dem die Tatsache — selbstverständlich unbewusst — verschleiert wird, dass nun einmal die Wirklichkeit ihrer nicht spotten lässt und dass die gedanklich einleuchtendste Konsequenz, die strengste Systematik zumeist dazu verurteilt ist, graue Theorie zu bleiben. Immerhin behält «das Buch von Klatzkin einen ausserordentlichen Wert. Nicht nur den ästhetischen, dass die Klarheit der Gedankenentwickelung sich einen adäquaten Styl geschaffen, der sowohl gegenüber dem dunklen im gespreizten Pathos einherschreitenden, wie gegenüber dem flachen an die üble Form politischer Tagesartikel erinnernden so vieler zionistischer Veröffentlichungen vrohltuend absticht. Auch sachlich ist es zu begrüssen, dass das wahre Gesicht des Zionismus sich uns zeigt, dass mit erschreckender Deutlichkeit einem jeden, der sehen will, zum Bewusstsein gebracht wird, wohin eine auf eine rein politische Orientierung eingestellte Auffassung des Judentums treiben muss. Um es noch einmal kurz zu sagen: Zu einer völligen Entwertung dessen, ־was die Judenheit und das Judentum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.