Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Der konsequente Nationalismus den Garaus macht und uns freuen, dass er uns so treffsicher die Arbeit abnimmt, jene Vertreter der auch für uns gegnerischen Strömungen zur Strecke zu bringen? Wir halten das aus zwei Gründen für verfehlt: Wir könnten es nicht mit Freude begrüssen, wenn dieser konsequente Nationalismus innerhalb des Zionismus zur Alleinherrschaft gelangte, wenn der Nationalismus Ernst machte mit der Theorie, dass die Religion nichts aber auch gar nichts mit dem Kriterium zu tun hat, nach dem der Jude erst zum Juden wird. Wir werden, wie e3 auch kommen mag, im Galuth und im heiligen Lande mit den Zionisten Zusammenarbeiten oder sagen wir gegen sie kämpfen müssen. Ein Nationalismus, der die Konsequenzen dieser Theorie zieht, würde in einen Radikalismus verfallen, gegen den sich das überlieferte Judentum wie gegen seinen Todfeind wehren müsste, der Todfeind aber will nicht, den anderen überwindend, ihn gewinnen. Er will den Tod! Und noch aus einem anderen Grunde: Klatzkin gibt bei allen Geistesblitzen, die seine Ausführungen durchleuchten, eine unrichtige Darstellung von jenen geistigen Strömungen innerhalb des Judentums, er spricht durch einseitige Uebertreibung ihnen allen auch den Wahrheitsgehalt ab, den sie neben dem vielen falschen mm doch besitzen, er scheidet, in dem Streben, rein logische Gedankenarbeit zu leisten, das traditionell-gesetzestreue Judentum so streng und in dieser Strenge falsch von den anderen ״Judentümern״ ab, dass wir eine völlig schiefe Auffassung vom Wesen unseres Judentums erhalten. Der Satz: ״es kommt alles anders als man denkt״ hat einen vielen tieferen Sinn als seine banale Form ahnen lässt. Er gilt auch vor allem, wenn man Gedanken und Prinzipien mit starrer und unerbitterlicher Logik zu Ende denkt und höchst befriedigt das Facit zieht: So, an diesem Resultat ist doch wohl tnicht zu rütteln. Und es gilt auch: es ist alles anders als man denkt. Die Wirklichkeit lässt sich nicht in das Prokrustesbett einer von der Logik diktierten Pragmatik zwingen. Sie bleibt wie sie ist, zu kurz oder zu lang und füllt nicht das