Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der konsequente Nationalismus 277 einen seltsamen Beigeschmack. Es wird doch dabei bleiben müssen, dass die Gottheit unseren Prozess mit den Völkern führt und dass s i e allein die grosse Rechnung der Greueltaten, die ins Riesengrosse gewachsen ist, von ihnen begleichen lässt. Die Wiedergutmachung ist auch heute eine Forderung, die belächelt wird, wenn der Schwache sie stellt, es sei denn, dass gemeine Machttriebe die Forderung des Schwachen zum Vorwand nehmen, damit sie ihnen diene. Auch in der Wertung des Christentums, wie Kl. sie gibt, kann nur der mit ihm übereinstimmen, dem jeder Glaube an ein Walten Gottes in der Geschichte abgeht. Und wenn jenes noch so sehr Heidentum gelebt, wir können nicht annehmen, dass die Vorsehung zwei Jahrtausende der Menschheitsentwickelung unter die Herrschaft des ausschliesslich Bösen gestellt. Vor allem hätte in der Form des Angriffs Kl. von Jehuda Hallevi lernen können. Und Jehuda Hallevi empfand doch mindestens ebenso national. Wir haben uns hier vom Standpunkt der traditionell-gesetzestreuen Juden mit KJ. auseinandergesetzt, doch wir wiederholen: Hat diese Anseinandersetzung einen Sinn? KL wird antworten: Mit dem Juden, der das religiöse Kriterium für sein Volksdasein aufstellt, diskutiere ich ja gar nicht. Es ist ebenso berechtigt, wie das des konsequenten Nationalismus. Nur den Nationalisten 8011 die Wahrheit eingehämmert werden, dass er nicht auf halbem Wege stehen, nicht im unreifen Nationalismus stecken bleiben darf. Nun ist das nicht ganz richtig. Denn KL widmet einem grossen Teil seiner Ausführungen dem Nachweis, dass unser Kriterium jetzt wirkungslos geworden, ja er schöpft den Mut zur bitteren Folgerichtigkeit seiner Gedanken, dass die Fortdauer des Judentums ganz allein durch Land und Sprache gewährleistet ist, und alles auf die eine Karte gesetzt werden müsse eben aus der Ueberzeugung, dass die Religionsverfassung für immer brüchig geworden. Doch wir wollen es gelten lassen. So könnten wir denn geruhig zusehen, wie er dem Liberalismus und dem landläufigen Nationalismus, dem Haibassimilantentum, den Achad-Haamismus und der Religion des Geistes