Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der konsequente Nationalismus 269 ihre Erschwerungen und Zäune eine Kompensation für den verlorenen Staat. Der Rabbinismus war nicht Verknöcherung und Entartung dos jüdischen Geistes, sondern übte eine doppelte Funktion als Erhalter und Fortbildner, er hat das Judentum durch seine Auslegungen vor Stillstand bewahrt und das Judentum immer in Beziehung zum Leben gebracht. Dieser Formkraft der jüdischen Religion verdanken wir es, dass wir uns als Staat im Staate fast zwei Jahrtausende erhalten. Auch das Judentum der Gegenwart zehrt von dieser Kraft unserer Staatsreligion. Ein grosser Teil unseres Volkes lebt noch in diesen Formen. Dieser Teil ist der Nähr- und Wehrstand der jüdischen Religion. Dieser Rest Israels wird immer kleiner und schwächer, die jüdische Religionsverfassung ächzt und stöhnt in ihren Fugen, ihre Formkraft ist in Zersetzung begriffen — und das Judentum der Diaspora verliert seinen Bestand. Die Agonie des Galuth kann durch eine Reihe negativer Momente verzögert werden. Zur Assimilation gehören zwei Parteien. Die Wirtsvölker sträuben sich aber, uns zu assimilieren. Infolge der Unterdrückungen wird durch unsere Wanderungen die Sesshaftigkeit in einem Lande und damit der Assimilationsprozess unterbrochen. Der Antisemitismus, die in feindlicher Absicht bewirkte Konzentrierung unserer Volksmassen im Ansiedlungsrayon, haben einen grossen Anteil an unserer Erhaltung. Doch der Ansiedlungsrayon ist gefallen und mit dem Fortschreiten der Kultur unter den Nationen wird die Weigerung der Nationen uns zu assimilieren immer schwächer. Die Naturkraft der Assimilation ist so stark, dass sie in kulturarmen Ländern die sittliche und intellektuelle Ueberlegenheit der jüdischen Massen auf das niedrige Kulturniveau der Umgebung herabgedrückt hat. So kann die Agonie des Galuth nur aufgehalten werden, mit dem Zusammenbruch unserer Religionsverfassung ist die Zerstörung unseres dritten Hauses, des Hauses im Galuth besiegelt. Im dritten und vierten Kapitel zieht Klatzkin die Konse«