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Jeschurun · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · page 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 151)
Language
German
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260 Die Sephirazeit usw. על דם רעך du sollst nicht stille halten, wenn das Blut deines Nächsten vergossen wird. In den Tagen der Sefira, deren aufwühlende und erschütternde Bedeutung den Zeitgenossen in Westeuropa so völlig verloren gegangen zu sein scheint, dass sie auch in dieser Zeit des neu aufgeiebten Jammers nicht das vergossene Blut ihrer Brüder sehen wollen — es ist noch ein Glück, dass das in Wahrheit für sie völlig erstarrte Symbol des wild wachsenden Haares durch seine Unbequemlichkeit sie wieder ihren Willen daran erinnert — in dieser Zeit sei ein Vorschlag gemacht, dessen Verwirklichung unsere Gerechtigkeit wieder herzustellen vermag. Uebiert auch hier wiederum das Wort nicht die Tat, dann haben wir uns unwürdig erwiesen jedweder Führung im Judentum. Sechsmalhunderttausend Waisen, heisst es, haben die Ereignisse in der Ukraine geschaffen. Die Zahl ist bei dem Kinderreichtum der russischen Juden nicht unmöglich, da die Zahl allein der Erschlagenen im offiziellen Bericht auf der Karlsbader Hilfskocferenz mit 138 000 angegeben war. Wieviel sind noch durch die Folgeerscheinungen des Erlebten verdorben und gestorben. Es scheint mir, dass nur die grossen Zahlen Eindruck machen. Das erinnert mich an die Frage, die einmal Max Nordau an A. Klausner richtete, als dieser io einer Diskussion die Notwendigkeit, dem jüdischen Volke im Grossen zu helfen, bestritt, — an die Frage: ״Wieviel Leichen soll ich Herrn Klausner auf den Tisch legen, um ihn für meine Ueberzeugung zu gewinnen?״ Ich will von den 60J00G ablassen, es sollen nur 500 000, 400 000, 300 000, 200 000, 100 C00 sein• Hunderttausend Waisenkinder! Hunderttausend Waisenkinder! Ihr, die ihr Eure Kinder in Samt und Seide hüllet, die ihr sie in zartes Linnen lagert, denen das Beste nicht genug ist für ihre Nahrung, die ihr dafür sorgt, dass ihnen Luft und Licht in Fülle zuströmt, die ihr ein Kindermädchen nehmt, um sie auszufahren und eine Bonne um ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, denen der erste Schultag des Kindes eine Freude und jeder neue Fortschritt ein Entzücken ist, die ihr den Arzt bestellt bei

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