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Jeschurun · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · page 150

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 150)
Language
German
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Die Sephirazeit uswr. 209 unter den Armen und Gedrückten selbst ein Wetteifer ohne Gleichen, die von grösserer Not Heimgesuchten auizunehmen, gaben sie ih.r letztes dahin, um jene zu retten. Auch in der heutigen Zeit hat sich dieser einzigartige Zug des jüdischen Volkes bewahrt. Im Osten und in Amerika, dessen Judenheit sich ja fast ausschliesslich aus den Kreisen des Ost- Judentums zusammensetzt, ist unvergleichlich Grosses geschehen. Die Hingabe und Aufopferung der kleinsten und ärmlichsten Gemeinden für die Flüchtlinge aus der Ukraine, die übermenschliche Arbeit einzelner im Dienste des Iliifswerkes ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Werke jüdischer Baimherzigkeit. Aber was haben wir getan, seitdem der Hilferuf der Gemarteten an unser Ohr drang, da wir von den Folterquälen hörten, wie sie kaum die Zeiten der Inquisition gesehen, da wir vernahmen, dass allein durch den Anblick des Erlebten Zahllose dem Wahnsinn verfallen? Wir, die wir im Dünkel der Selbstge-recbtigkeit uns zur Blüte der Judenheit zähleu und doch nichts, rein gar nichts getan, um in die Reihe jener Gerechten aufgenommen zu werden. Haben wir nicht Schätze gehäuft wie früher, dem Geschäft uns gewidmet, gegessen und getrunken und Feste gefeiert wie vordem? Da der Wehruf der Gefolterten, das Wahnsinnslachen der durch die Wälder Irrenden, der letzte Schrei der zu Tode Gequälten in unser Ohr dringen, die Verzweiflung der ihrer Kinder beraubten Mütter, der in Hunger und Durst verschmachtenden Säuglinge vor unserem Auge aufsteigen sollten, da das ganze Register der Verkündigungen und Berichte aus den Strafreden und den Klageliedern unserer Bibel wieder zur schrecklichen Wirklichkeit geworden, was, was haben wir getan?! Der Ruf an das jüdische Gewissen, der vor einem halben Jahr in diesen Blättern erging, hat dazu beigetragen, dass die Leiden unserer Brüder in der Ukraine wenigstens mehr in den Blickpunkt des Interesses getreten. Noch immer aber bemerken wir keine innere Umwälzung noch immer nicht das Bewusstsein dessen, was es bedeutet, das Thoragebot zu erfüllen: לא תעמד

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