Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Die Sephirazeit usvv. die Fremden es zu anderen Göttern locken und die Verstossene im Verborgenen weint nach dem Gatten ihrer Jugend?״ So klagt der Dichter in den Jozeroth vor dem Scbowuausfest. Nur einen Teil der Leiden hat er überblickt, die über Israel gekommen. Seitdem wurde ferner Blatt auf Blatt unserer Geschichte mit unserem Blute geschrieben und der blutigsten eine Anzahl in unserer Zeit. Unsere Vorfahren fragten ,,warum״? Ihr unerschütterlicher Glaube an eine göttliche Vorsehung, die im Kleinsten und Grössten waltet, die ebenso dem unscheinbarsten Lebenswesen die tägliche Nahrung zumisst wie sie Throne stürzt und Völker entwurzelt, die dern Einzelnen und der Gesamtheit zu wagt nach ihrem Tun, dieses Vertrauen auf Gott und Sicheinsnihlen mit Gott, das gab ihnen das Recht zu ihren Fragen. Sie folgten nur den Worten unserer Propheten: ״Du bist gerecht, 0 Gott, wie könnte ich mit Dir hadern? Und doch will ich Dir die Rechtsfrage vorlegen: Warum ist der Weg der Frevler ein glücklicher, warum dürfen sorglos leben alle, die an Dir Verrat geübt״ so Jeremias. Und Habakuk: ״Wie lange noch soll ich flehen, ohne dass Du hörst, soll ich zu Dir ob der Vergewaltigung schreien, ohne dass Du hilfst? . . . Dein Auge ist rein, Du kannst das Böse nicht sehen, vermagst nicht ruhig das Unglück zu schauen. Warum schaust Du ruhig auf die Verräter,, schweigst, wenn der Frevler den verschlingt, der gerechter ist als er?!״ Sie durften fragen: Denn die Propheten und unsere Vor״ fahren waren die Gerechten. Und der Gerechte darf sein Recht fordern auch von Gott! Unsere Vorfahren waren die Gerechten* Inwiefern dies für alle Forderungen der göttlichen Gesetzgebung gilt, das festzustellen ist uns unmöglich. Aber sicher in einer und der für den, der die göttliche Hilfe erfleht, wichtigsten: Sie haben selber dem Unterdrückten, Verfolgten, Verjagten, geholfen, waren den Witwen und Waisen ein Beistand. Mit Ausnahme weniger Fälle, die die Geschichte eben darum als unbegreifliche Ausnahmen verzeichnet hat, war das Leid eines Teils immer das^Leid des gesamten Volkes; entfaltete sich stets>