Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Büeherbesprechung. werden durch bewusstes Bejahen aller Traditionalität. In einem jüdischen Leben, das die תורה als grundlegende Norm ansieht, bietet sich von selbst reiches Material an Erlebnissen und an Dingen, durch das sich jüdische In• halte — B. charakterisiert sie in der Dreiteilung: Vergangenheit des Volkes, Gegenwart des Volkes und das Jüdische in der eigenen Seele — bewusst machen oder mitteilen lassen. Doch soll damit nicht im Geringsten die Notwendigkeit der Beschaffung weiteren Materials bestritten werden. Auch die hebräische Sprache kann und muss, ״weitester und tiefster Inhalte Vermittler, ja -Schöpfer sein,“ wenn von Beginn an jedes hebräische Wort Ausdruck lebendigster Empfindung, wärmster Liebe zu allem, was das Wesen jüdischen Daseins in Vergangenheit und Gegenwart ausmacbt, ist. Die hebräische Sprache sollte dem Kinde in den Koseworten der Mutter Liebesträger sein, sollte die ersten bildreichen Eindrücke inniger und gewaltiger biblischer Ereignisse vermitteln. Aber wir müssen mit dem Vorhandenen rechnen. Da gibt es nur folgende Rettung: Niemals darf das Hebräische, sdange es nicht seelisches Eigentum des Kindes geworden, als leere Sprache in Vokabeln, Grammatik und Syntax eingepiägt werden. Im תנ-׳ך muss jedes hebräische Wort erlebt werden, erst in den einfachen Er- Zählungen, dann in den um das Innerste ringenden Psalmen, das Tie ste aufwühlenden Propheten. Die eigenartige Entwicklung des Hebräischen in Mischnah und Talmud muss in ihrer gescbi htüchen Bedingtheit mit dem Inhalt zusammen erfasst, die religiösen Kämpfe des Mittelalters müssen in ihrer Sprache verstanden werden bis hinein in die gar so komplizierte Volksseele der Neuzeit, die wieder ihren Ausdruck im Hebräischen sucht. Vom jüdischen Leben und vom Hebräischen, muss ausgegangen werden. Das Leben ist aber nur wahrba t jüdisch gestaltet, wenn es auf den מעוות in ihrer Fülle aufbaut, und das Hebräische nmss Träger jüdischen Denkens, Fühlens und Wollens sein. Von dieser Zentrale aus muss der Inhalt anderer Kulturen übermittelt, müssen die Gegenwartsaufgaben des Volkes aus dem Eigenleben der Kinder entwickelt wrerden Um die Vorbedingung für eine wirklich jüdische Erziehung, die auch allgemein menschlich den wesentlichen Forderungen gerecht wird, zu schaffen, muss man in sich eine volle Synthese vollzogen haben. Wer wird uns den Weg dazu zeigen? Helene Barth. Nachbemerkung■ zu Unnas ״Bedenkliche Erscheinungen/‘. Beaehtungswert und höchst aktuell sind die Bedenken, die Herr JDr. Unna im Jeschurufi VIII. Jahrg. Heft 3/4 zum Ausdrucke bringt und die der Herausgeber in seinem ,.Nachwort“ ergänzt. Beide Verfasser lassen aber einen Punkt unberührt, der unbedingt mit zu den Problemen gehört, die dort behandelt werden.