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Jeschurun · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · page 146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 146)
Language
German
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Bücherbesprechung. 255 praktischen Ergebnisse der üebermittlnng jüdischer Inhalte, wie sein subjektives Erfassen dieses Problemes mitteilen würde. Es ist kennzeichnend, dass diese Frage an letzter Stelle behandelt und vorher auch nicht mit einem Wort berührt wird. Bernfeld ist sich selbst darüber klar, dass die sozialistischen Erziehungsgedankeu noch nicht harmonisch mit seinem jüdischen Wesen verschmolzen sind. Sonst wäre eine untrennbare Einheit entstanden; aus der jüdischen Persönlichkeit, die subjektiv sozialistisch orientiert ist, hätte ein ganzjüdisches Erziehnngsideal erwachsen müssen. Man hat gewi3sermassen das Gefühl, als ob dies speziell jüdische Ziel der so glücklich gelösten allgemeinen Aufgabe künstlich aufgepropft wäre. Worauf beruht diese Unsicherheit? Ich glaube, die Entscheidung für das Jüdische als das Primäre ist nicht klar genug getroffen. Bejahen wir seine Priorität, so müssen wir prüfen, ob die neuen Erziehang?jgn1ndsätz9 zur Entwicklung jüdischer Menschen förderlich ist. Von diesem Standpunkt aus ist die sozialistische Erziehung, auf die Gesamtheit des Volkes ausgedehnt, abzalehnen, da sie die Familie zerstören würde. Ich weiss, dass dagegen ein«״ gewandt wird: Das Familienleben ist schon zerstört. Lassen wir die Einwände von beiden Seiten ruhen; hier erübrigt sich jede Diskussion darüber; denn im Kinderheim Baumgarten handelt es sich um Flüchtlingskinder die ohnehin ans der Familie gerissen sind. Bernfeld ist nicht vom Jüdischen als Primärem ausgegangen. Er hat an die vorhandene affektive Basis angekcüplt, an die halb verschütteten Gefahlsreste eines früheren warmen jüdischen Lebens. Aber er bat nicht die Gesamtforderung des Judentums ais selbstverständliches Ziel gesetzt Ihm ist freie Entwicklung die Hauptsache. Also heisst’s abwarten, ob sich aus den spärlichen Ueberresten nach natürlichen Gesetzen jüdische Menschen entwickeln werden! Die äussere Form wird ja möglichst günstig gestaltet! Möglichst günstig? Es wurde nicht auf den Trümmern ein in sich gescblossenes, harmonisches Gebäude aufgeführt, in dem sich ein reiches, warmes Innenleben hätte entwickeln können. Nur einzelne, wenn auch starke Säulen, Sabbatfeier usw., wurden aufgestellt, so dass von allen Seiten fremder Geist eindringen konnte. Das Leben, wie es das Judentum fordert, ist ein einheitliches Ganzes, in dem jedes Teilchen Mitträger des organischen Lehens ist. Und die Voraussetzung bei den Kindern dafür war doch gegeben. Mau hätte ihnen nichts ihrer Natur Fremdes aufdrängen müssen. Wir kommen aus einer fremden Welt, wenn wir abwägen nnd auswählen, was uns Assimilierten sympathisch ist. Erst muss man das Judentum als Ganzes erlebt, aber wirklich erlebt haben, ehe man das Recht hat, seine Einzelheiten kritisch zu betrachten. B. sagt selbst: ״Iclialte müssen Form werden. Eine Schule kann nicht dadurch jüdisch werden, dass sie auch jüdische Inhalte vermittelt, sie muss es in ihrer Gestalt sein.“ Es i3t wahr, dass ״das sich hieraus ergebende Problem in der Diaspora überhaupt nicht zu lösen sein wird“, der Versuch dazu muss aber gemacht und kann nur gemacht

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