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Jeschurun · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · page 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 145)
Language
German
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254 Bücherbesprechung־. wurde. Die Erregung, mit der Bernfeld seine Anklageschrift, die darzulegen versucht, an welchen Widerständen sein pädagogischer Versuch; gescheitelt ist, in die Welt schleudert, ist uns nur zu verständlich. Wir — leider! Aussensf eh enden haben, a!3 Wichtigstes, uns mit dem Gedanken der Programm schrift zu beschäftigen. Denn — seien wir ehrlich! —wir haben gerade auf dem Gebiet der jüdischen Erziehung uns an Kompromisse gewöhnt. Wir haben gern Erfahrungen der experimentellen Psychologie und pädagogischer Beobachtungen unserer erzieherischen Praxis zugute kommen lassen, solange sie nicht das sichere Gebäude der so sorgsam mit Lehrplan^ Peiisen und Klassen aufgebauten Schule antasteten und haben uns beruhigt in dem Gedanken, da!« Mögliche getan zu haben. Von begeisterten, hingebungsvollen Lehrern ist sicher auf diese Weise manches Gute geleistet worden, die Kraifc erzieherischer Einwirkung ruht nun einmal in der har״ monischen, starken und liebevollen Persönlichkeit; aber das Problem in seiner Gesamtheit und Tiefe ist doch unberührt geblieben. Dieser Vorwurf gilt bei weitem nicht nur der gesetzestreuen jüdischen Schule. Im Gegenteill Denn diese bietet doch tatsächlich unschätzbare jüdische Inhalte, und es ist zu untersuchen, ob im Golus, solange wir irgendwie an von anderer Seite gegebene Schulordnungen gebunden sind, überhaupt ein anderer Weg als der einer möglichst glücklichen Verschmelzung verschiedener Kuiturinhaltegangbar ist. Eine offene, ehrliche Diskussion über diese Frage von gesetzestreuer Seite wäre jetzt dringend notig. Denn die jüdische Jugend, auch die schon bewusst gesetzestreue, sucht sich in dem Problemhaften des heutigen Lebens mühsam ihren Weg. B. hat es trotz schwerster materieller und geistiger Hemmnisse verstanden, aus zusammengewürfelten Scharen physisch und phsyc bisch verwahrloster Kinder, die in liebeleerer Umgebung einen notdürftigen U nterscblupf gefunden und verlogenen Egoismus als die einzige Lebensmö glichkeit ansehen gelernt hatten, eine geschlossene Gemeiaschaft pflicht- und verantwoitungsbewusster, arbeitsfreudiger uud strebsamer junger Menschen zu bilden. Mit welcher Hingabe B. sich dazu in die Psyche der Kinder und ihre Eni Wicklung vertieft hat, und wie es ihm allmählich gelungen ist, ihr Vertrauen, dann innere Verbundenheit mit ihnen zu gewinnen, das lese man in seiner Schrift• Dann wird man ein tieferes Verhältnis zu den Prinzipien sozialer Erziehung erlangen. Zwar könnte man einwenden, dass aus der ständigen Beobachtung des^eigenen Seelenlebens ein gefährlicher Persörilichkeitskultus resultieren muss. Man wird aber vor allem verstehen, dass die rückhaltlose Hingabe des Individuums an ein Gemeinschaftsideal menschlich wertvoller sein muss, auch in den dauernden Resultaten, als das bequeme Befriedigt sein nach fünf gewissenhaft erteilten Unterrichtsstunden. Ich habe die Bernfeldsche Schrift mit Dank und Bewunderung gelesen, habe mich immerfort mit den Voraus- Setzungen und den Ergebnissen des Erziehungsversuches auseinandergesetzt. Mit innerster Erregung habe ich auf den Augenblick gewartet, da JB. die

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