Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Monismus oder Dualismus? ist diese Annahme doch nicht Zur grösseren Stabilisierung des Gottesbegriffs ,wäre es auch möglich vorauszu setzen, dass an der Einwirkung Gottes auf die Welt dann nur gewisse Eigen־ schäften und Züge Gottes teilnähmen, die wesentlichen, Gott kennzeichnenden, aber nicht von dieser weltzugewandten Tätigkeit io ״Mitleidenschaft״ gezogen würden. So scheint mir gerade hier keine unüberwindliche Schwierigkeit vorzuliegen. 5ד* *X־ * Ich habe in dieser Arbeit den Versuch gemacht, ein auch für die religiöse Weltbetrachtung bedeutsames Problem in philosophischer Beleuchtung darzustellen. Dabei konnte ich dem literarischen Werk eines der hervorragendsten Philosophen der Gegenwart folgen, der ebensosehr in den Naturwissenschaften, aus denen er hervorgegangen, beheimatet ist, wie er Verständnis für das religiöse Problem der denkenden Menschheit hat. Im Prinzip bin ich nicht viel über Driesch in dieser Abhandlung hinaus- ^gegangen und habe der Versuchung widerstanden zu entwickeln, wie die verschiedenen philosophischen Systeme im Judentum über Monismus und Dualismus gedacht haben. Dieses Thema zu behandeln, ist auf Grund des in der religionsphilosophischen Literatur vorliegenden Materials ziemlich aussichtslos, da die Problemstellung dort eine andere ist. Es ist nämlich ein anderes, Ganzheit und Zufall zu diskutieren, ein anderes die Frage von Gut und Böse. Dass die jüdische Lehre den Dualismus der Perser von Licht und Finsternis, von der Macht des Guten und des Bösen ablehnt, dass sie die sadduzäische Anschauung bekämpft: הרבה ושרות בשנדש (Sanhedrm IV, 3), das alles ist ja längst gesichert. Den Versuch aber wagen, auf Grund der heutigen wissenschaftlichen Kenntnisse iunerhalb des jüdischen gleichsam verminderte und im Verlauf der Geschichte (oder nach deren Abschluss?) wiedergewonnene Allmacht in der jüdischen Gedankenwelt eine Problemstellung durch Gott selbst bedeutet. Ich enthalte mich dabei eines Urteils, ob die Problemstellung selbst, also die Schöpfung und überhaupt göttliches Handeln, einem Gott innewohnenden Gesetz oder völliger Freiheit entspringt.