Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 132)
- Language
- German
- Belongs to
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Monismus oder Dualismus? 241 Menschen nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Es ist zwar im Grund dasselbe Problem wie in den anderen Gotteslehren. Auch hier ist der Dualismus zwischen Ganzheit und Zufall dem Gottesbegriff, der eben nur ein anderes Wort für die Ganzheit ist, abträglich. Aber wir nehmen das Problem hier ernster als in den anderen Systemen. Denn Gott besteht doch noch neben der Welt weiter, und da wir gewohnt sind, mit diesem Gottesbegriff den der Allmacht zu verknüpfen, die wir verehren, und der wir dienen, so empfinden wir hier einen Riss, der uns beson- ■ders stark zu Zweifeln fuhrt. Wie aber haben wrir uns nun das Verhältnis der Ganzheit zum Zufall durch die Werdestufen hindurch vorzustellen? Wird die Materie oder ein ihr in anderen Stadien der Entwicklung entsprechendes Prinzip für immer sein, *wird also der Zufall von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen? Das hiesse dem Zufall dieselbe wesentliche Bedeutung im metaphysisch Wirklichen wie der Ganzheit, also wie Gott, zusprechen. Dazu nötigt uns die Erfahrung nicht, schon deshalb nicht, weil ja fiber andere Wirklichkeirsstufen ausser der Welt bis nun uns gar keine Erfahrung möglich ist15). Deshalb werden wir uns gewiss auf diese die' Ganzheit und den Gottesbegriff noch ־weiter״ einengende Form des Dualismus nicht festlegen. Ja man kann -sogar die Vermutung ־wagen, dass die Tatsache des Todes als 15) Damit ist nicht gesagt, dass uns diese Möglichkeit grund sätzlicli oder für immer verschlossen wäre. Schon die Ergebnisse der telepathischen und okkultistischen Forschung (z. B. innerhalb der rührigen Londoner Society for Psychical Research), so unsicher sie noch sind, weisen über den Rahmen der bisherigen Erfahrungswelt hinaus. Wären sie wirklich gesichert, so würde damit die seelische Vereinzelung durchbrochen sein (weil es sodann Gedankenübertragung ohne Stoffes- Vermittlung gäbe). Jedenfalls ist es lächerlich, diese Bestrebungen zu verspotten (Driesch, Wirklichkeitslehre S. 828). Driesch fügt nochS. 324 hinzu: ״Ein einziger ganz sicherer Fall der ״Betätigung“ eines Verstorbenen würde für die irdischen Menschen mehr bedeuten, als alles, was bisher die sogenannte Kultur, einschliesslich der Philosophie für sie bedeutet hat״. Und ich möchte ergänzend bemerken, dass ein ähnliches für Offenbarung und Prophetie im Sinn jüdischer Ueberlieferung gilt. Sie sind durchaus denkmöglich und bedeuten eben im Fall ihrer Verwirklichung so ausserordentlich viel.