Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monismus oder Dualismus? 239 göttlichen Aktivität, die schon manche Griechen, allen voran Epikur, lehrten, den Zorn der jüdischen Religionsphilosophen heraufbeschworen, und vermutlich ist auch hier die Wurzel des Begriffs אפיקורוס (Epikuros) als des Generalnenners aller Häresie im Judentum12). Wichtiger aber ist hier gegenüber dem Spinozismus der Hinweis auf die fort und fort bestehende Gegenwirkung de3 Zufalls gegen die Ganzheit. So käme tatsächlich etwas wie שוד רשויות ein doppeltes Prinzip antagonistischer Art zustande. Dieser Sachverhalt gibt wohl auch eine Erklärung für die Ungewissheit, mit der mancher jüdische Leser zwischen Bergson und Spinoza steht.13) Insofern das Wesen Gottes in Frage steht, ob er nämlich in Vollendung ist als XJrbedingung alles Bedingten, oder ob er — in seinen Wesenszügen — erst wird, bedingt durch die Gesamtheit des Gewordenen, werden wir zu Spinoza neigen, hinsiehtlich der Entfaltung seiner Allmacht, der steigenden Ganzheit und zurücktretenden Zufälligkeit werden wir dem Bergsonismus Sympathien entgegenbringen. Zu dem Problem Pantheismus hat auch Hermann Cohen in seinem posthumen Werk: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums14) mancherlei Beachtenswertes beigetragen. 12) Jedenfalls passt die dem .Philosophen in Jehudah Hailewis 1.1 כוזרי, in den Mund gelegte Anschauung: אין אצל הבורא לא רצון ודא שנארז כי דוא נעלה מכר החפצים ומבי הכוונות׳ כי הכוונה כורה על חסרון המכוון וכד, sehr gut auf einen Schüler Epikurs, denn das war dessen, ausgesprochene Meinung. dass wir die Götter um ihrer Erhabenheit willen verehren, nicht aber weil wir irgend welche Leistungen von ihnen erwarten; denn die Götter handeln nicht. So ist denn Epikur und Epikuräertum zum Sinnbild ketzerischer Gesinnung im Judentum geworden. Diese Gegnerschaft Epikurs gegen den Theismus Ist tatsächlich viel charakteristischer l'ilr ihn als die ihm fälschlich zugeschriebene Lusttheorie. Diese ist im Griechentum viel unverhüllter durch die Cyrenaische Lustlehre und von Aristipp ausgesprochen worden. 13} Dies habe ich bereits in meiner Abhandlung: Die Zeitkultur und die traditionelle Anschauung, Jesckurun VII, 329—346 dargestellt 836 f. Doch war dort nicht 80 klar die Stellung präzisiert wie in diesem Aufsatz. 14) Leipzig, Gustav Fock 1919.