Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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Monismus oder Dualismus? 237 (die Dingsehöpfung in Drieschs Terminologie) zu vermeiden und den Stoff als unersckaffen zu betrachten. Nicht nur die griechisch-römische Anschauung lässt das Chaos dem Kosmos vorangehen (die rudis indigestaque moles; Ovids Metamorphosen), sondern selbst einige mohammedanische Philosophen1 11) opfern die Dingsehöpfung. Mag auch die antike und mittelalterliche Philosophie das Problem von Ganzheit und Zufall nicht in Schärfe erkannt, ja z. T. auch ausdrücklich geleugnet haben (der Materialismus und Sensualismus, letzterer besonders in seiner sophistischen Ausprägung), so ist doch wohl der Antagonismus von Gott und Materie vielen Denkern früh als eine schwer zu lösende Antithese erschienen. 1. Dualismus und Pantheismus. Am wenigsten trifft der Zwiespalt des Dualismus den echten Pantheismus, also etwa den Bergsonismus. Im Gegensatz zu jeglichem Theismus wird ja erst Gott, und so ist jedes Stadium der Weltentwicklung nur Provisorium, das möglicherweise bald verbessert sein wird. Pantheismus ist in dieser Auffassung u. E. eine überaus optimistische Anschauung, die nicht nur eine relative sondern prinzipielle Besserung und Vervollkomrrmung in Aussicht stellt. Gegen die Unvollkommenheiten der bisher erreichten Stufen des werdenden Gottes ist schon deshalb kein Vorwurf zu erheben, weil es ja zum Wesen Gottes gehört zu werden und nicht zu sein. So fehlt in der pantheisüschen Lehre die Instanz, gegen die eine Anklage geführt werden könnte, und damit ist die Theodicee keine Aufgäbe dieser Gotteslehre. Freilich wissen wir nicht und finden keine sicheren Kriterien in der bisherigen Entwicklung dafür, ob tatsächlich jene optimistische Meinung zu Recht besteht im Rahmen des Pantheismus. Denn es ist das Kennzeichen Gottes, dass er sich in völliger Freiheit macht, und die Entwicklung ist eine evolution creatrice. Es bleibt demnach die Frage inner- 1י) Hier ist der Averroismus zu nennen., cf. Fr. A. Lange, Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung für die Gegenwart. cit. nach der Reclam Ausgabe I. S. 213.