Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Monismus oder Dualismus? sich, in die Welt umgesetzt und bleibt auch weiter in gesonderter Existenz bestehen. Es bedarf keiner ausdrücklichen Hervor״ hebung, dass die letztgeäusserte Anschauung die der positiven Religionen ist. Welche Gotteslehre nun die * wahre״ sei, diese Frage ist unentscheidfcar, wenn wir von unserer Erfahrung, wie sie ist, und nicht wie sie möglicherweise sein könnte, ausgehend zu Gott gelangen wollen. Ja, ebensowenig ist das andere zu lösende Problem: Freiheit oder Bestimmtheit, das Beziehungen zum Gottesproblem hat, einer Wissensentscheidung zugänglich10). Wir können nur sagen, dass alle drei, sowohl der Pantheismus wie beide Formen des Theismus, befähigt sind, unsere Erfahrung mitzusetzen. Wir wollen deshalb zunächst nicht weiter auf die Systeme eingehen sondern zu unserem Thema zurückkehren und fragen, was die Frage Monismus oder Dualismus für die Gottesfrage bedeuten mag. Der Zufall stellt sich jeder Gotteslehre als hemmendes, Einheit erschwerendes und Allmacht einschränkendes Moment entgegen. Wir haben bereits im vorigen Aufsatz im Anschluss an Driesch ausgefiihrt, dass der Zufall, also die Unganzheit, im rein Physiko-Chemischen zum Ausdruck kommt, wo die EinzelheitsVerknüpfung die typische Werdeform ist, also am Stoff haftet. Es erhebt sich gegen Gott das Problem der Materie. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, das Verhältnis Gott - Materie zu bewerten: 1. Gott ist der Schöpfer der Materie; diese hat also einen Anfang io der Zeit; wir wollen diesen Fall erst später betrachten; 2. Gott und die Materie bestehen seit jeher nebeneinander (der Stoff hat Ewigkeit in der Zeit sempiternitas). Gott ist in diesem Fall nicht ־wie ün ersten Schöpfer und Urheber des Zufalls. Es ist psychologisch nicht von der Hand zu weisen, dass manchen Schöpfer eines philosophischen oder religiösen Systems gerade die befremdliche, fast paradoxe Annahme, dass Gott, der die vollendete Ganzheit ist, dennoch auch dem Zufall Dasein gegeben habe, dazu geführt hat, das יש מאץ 10) s. hierzu Driesch, Die Wirklichkeitslehre Lpz. 1917, S. 118, 120.