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Jeschurun · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · page 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 126)
Language
German
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Monismus oder Dualismus? 285 siebt nur viel schwieriger sondern auch unbestimmter zu werden. Die Ursache für dieses unsichere Tasten ist darin gelegen, dass mitten aus dem Fluss des Geschehens heraus, dessen Gesetzmässigkeit wir nur unvollkommen kennen, die schwerwiegende Problematik des ״Vorher“ bezw. des ״Nachher“ entwirrt werden soll. Die wissenschaftliche Situation lässt drei Möglichkeiten (nicht mehr) zu: mit Driesch rechnen wir zwei dem Theismus, eine dem Pantheismus zu. In enger Anlehnung an Driesch ־wollen wir zu den Pantheisten nur diejenigen zählen, die eine ganz eigenartige, von Henri Bergson in ganz besonderer Prägnanz vertretene Auffassung von der Wesenheit Gottes haben. Nur die Lehre, in der Gott nicht ist sondern wird, wo er nicht eine ruhende Vollendung sondern eine im Lauf der Entwicklung des Alls werdende Vollendung oder ihr sich nähernde ist, wo also, um mit Bergson zu sprechen, Dieu se fait, soll als echt pantheistisch bezeichnet werden. Eigentlich ist Gott in diesem System nichts anderes als Vergaegenheit, Gegenwart und Zukunft, diese aber nicht einfach als Summe, als zeitliche Folge, sondern eben als das Ganze, als das Wesentliche dieser Verknüpfung, die der Ganzheit zustrebt. — Somit scheiden, sehr gegen den üblichen, von der Geschichte der Philosophie geheiligten Brauch eine Reihe Philosophen, wie Spinoza, aus der Schar der Pantheisten aus. Denn auch Spinoza lehrt in vollendetem Gegensatz zu Bergson Gott als den Wesensgrund der Welt. — Innerhalb des Theismus unterscheiden wir zwei Gruppen: den emanatorischen und kreatoriseben. Jene lässt Gott ia die Welt aufgfihen, lässt also die Welt die Entfaltung Gottes sein: Gott entliess die Welt aus sich (Emanation). So kommt der Januskopf von Spinozas Lehre: natura natu raus (die naturschaffende Natur) und natura naiurata (die geschaffene Natur) zustande. In diesen Systemen ist, wenn wirklich das All erst entfallet ist, neben ihm nichts mehr. Da ist Gott in die Welt übergegangen. Freilich war er vielleicht einmal ausserhalb ihrer. Der kreatorische Theismus hingegen kennt Gott auch ״neben“ der Welt. Er ist echter Schöpfer, hat nur zum Teil

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