Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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Jacob Steinhardta Graphik. 283 Phänomen, wäre es nicht vielfältig beobachtet und längst in seiner Eigentümlichkeit erkannt. Darum sucht man bei Steinhardt vergebens nach ״Natur* (im bestimmten Sinne Goethes, der unter ihr sowohl das geistig-dynamisch Ueberlegene als auch das liebend Erfasste verstand); vielmehr ist hier alles Magie, nämlich von unheimlichen Seelenkräften durch wühlt, ohne uns aber einen Ausblick in das heilsame Reich des Aussermenschlichen zu öffnen. Was die Grössten gewähren: Befreiung vom Menschlichen, auch Steigerung alles Persönlichen ins Kosmische (wie unter den Neuem bei Marees und C e z a n n e), bleibt hier uns versagt. Ein fast schwermütiges Erfülltsein von der Einsicht, dass der Mensch die Grenzen seines Daseins nie zu überwinden vermag, ist das Werk Jacob Steinhardts. Daher auch seine ausserordentliche psychologische Kraft. Denn künstlerische Psychologie bedeutet neben allem Reichtum auch einen Verzicht auf das ewig Naturhafte jenseits der individuellen psychischen Daseinsart. Künstlerische Psychologie vertieft das Menschliche auf Kosten der aussermenschlichen Natur. Inhaltlich und seelisch ist seine Kunst im jüdischen Wesen verwurzelt; inhaltlich: an der Fülle religiöser und historischer Motive, seelisch: in dem ganz bestimmten künstlerischen Affekt, hin auf das ״Absolute“, auf den reinen Ausdruck, was in der weltanschaulichen Sphäre das Religiöse heisst. — Sein Kuuststii ist ursprünglich barock, verlebendigt sich allmählich und sehliesslieh zerfällt er, um sich in einer neuen Form vielleicht von Neuem zu verfestigen. Heute begnügen wir uns mit dieser prinzipiellen Betrachtung. Alle Gestalten seines Werks tragen ein Verhängnis: ein ganz individuelles Schicksal, das bei der kosmischen Kunst eintauchen dürfte in die Natur. Denn in der Natur wird das Vergängliche am Menschen ausgelöscht, das Ewige noch mehr verewigt. Hier aber ist die Vergänglichkeit als solche verewigt, in einer libeiw'ältigend anthropozentrischen Art.