Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Absagebrief 11 sw. 227 Ihnen diese Worte an, weil ich mir denke, dass sie für Sie mehr überzeugende Kraft haben dürften, als das, was ich aus eigenen Mitteln dazu täte. Welche Stellung nimmt die Rvs. dem Volke, den Gemeinden, den im Judentum beharrenden und beharrlichen Gemeinden gegenüber ein? Ist es ihr Zweck, das Judentum sich selber verständlich zu machen, den Geist, die innere intensive Lebenskraft, das erbaulich erhebende, sittlich ethische Element, über dessen Iliatanstellung und Zurücksetzung wir Klage führen, dem Volke und un3 selbst ersichtlicher, einleuchtender, eindringlicher zu machen; so dürfen wir wahrhaftig nicht damit anfangen, ihm das, was es in der Ehrfurcht und Unterwürfigkeit gegen Gott, in der Liebe und Anhänglichkeit an und zu seinem Volke, in der Zucht und Sitte hat erhalten, vollends zweifelhaft zu machen; es ihm zu verdächtigen und zu verleiden! Sie haben selbst einmal unsere heutige Wirksamkeit als eine ״vorbereitende“ bezeichnet4). Diese Vorbereitung, denke ich, ist mehr auf- und erbauender, als destruktiver und zersetzender Natur. Wir hätten zu binden, nicht zu trennen und zu lösen und die diserta membra vollends auseinander zu werfen. Soviel was Princip und Grundsatz betrifft! Ich will ganz absehen von der Form der Verhandlungen, und wie sich die Ratlosigkeit und Unbehilflichkeit überall verrät, wo die Rvs. vermittelnd einzutreten sich berufen fühlt; wie die von ihr und ihren Koryphäen herausgegebenen Entwürfe (z. B. Herzfelds deutsche Agende)5 6) das Gepräge der entschiedensten Ungeschicklieh keit an sich tragen; wie oberflächlich sie in ihren Untersuchungen verfährt, in welchen Sphären sich die Diskussion bewegt, wie ungründlicb, unwissenschaftlich sie die wichtigen Lebensfragen im heutigen Judentum© erledigt und abtut, über Fragen, die in den innersten Organismus des jüdischen Lebens, in das innerste Heiligtum des häuslichen und sittlichen Lebens, eingreifen, entscheidet und abspricht, ohne auch nur eine 4) Eine Anspielung auf das Schreiben Geigers an die Teilnehmer der ersten Rabbinerversammlung (L. Geiger, Abraham Geiger, S. 115). 6) L. Herzfeld, Rabbiner in Braunschweig.