Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293004-2293007--04986-2298267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Absagebrief nsw. 228 (1845), der auch konservativere Männer, wie der tiefgelehrte Zacharias Frankel-Dresden und der ideale, redegewaltige Michael Sachs-Berlin angehörten, trat Geiger mit aller Schärfe gegen das Vorherrschen der hebräischen Sprache im Gottesdienste und die Einweihung des Neumondes auf (L. Geiger, Abraham Geiger, Berlin, S. 115 ff.) und bewirkte den Austritt der Konservativen mit Zacharias Frankel an der Spitze, welch letzterer nach einer Verlautbarung und Begründung seines Vorgehens in einer Frankfurter Tageszeitung eine besondere konservative ״Theologen- Versammlung“ nach Dresden vergeblich einzuberufen versuchte. Abraham Geiger glaubte nunmehr, aus eigener Kraft die Rabbiner Versammlung zum dritten male nach seinem Amtssitze in Breslau einberafea zu sollen. Er erliess zu diesem Zweck am 8. Juni 1846 Rundschreiben an die Kollegen. Besonderes Gewicht dürfte er darauf gelegt haben, Mannheimer, den geistigen Schöpfer der Wiener Kultusgemeinde, dessen moralischer Einfluss in Oesterreich viel vermochte, als Teilnehmer an der Rabbinerversammlung in Breslau begriissen zu können. Er richtete an ihn wie an Michael Sachs ein scheinbar fast identisches Schreiben mit heftigen Angriffen gegen den oppositionellen Frankel und mit dem von Selbstbewusstsein erfüllten Hinweis, dass die von ihm beeinflusste Rabbiner- Versammlung ״ein Gefäss voll segensreichen Inhaltes״ sei, und forderte sie auf, auf der Tagung zu erscheinen, um sich Gleichgesinnte zu scharen und nicht ״in Parzellen Krieg gegen einander zu führen.“ (Der Brief an Sachs ist abgedruckt in: Ludwig Geiger, Abraham Geiger, S. 116, 117). Mannheimer, der nach und nach aus den Stürmen seiner Jugend sowie aus seiner in Wien gewonnenen reichen Erfahrung (vgl. meine Arbeit: Isak Noa Mannheimer, Wien, 2. Aufl. S. 7 ff.) eine feste An- Behauung über Kultus und Kultur des Judentums sich erworben hatte, Hess sich von den Lockrufen nicht beirren, sondern verfasste bereits am 19. Juli einen ausführlich begründeten Absagebrief an Abraham Geiger. In der Ueberzeugung, dass auch dieser Brief ״nicht zur Verständigung, sondern wohl nur zu neuen Zerwürfnissen führen könnte״ entschloss er sich, ihn nicht