Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Glaube und Ritus. dass sie die vierzigtausendundetlichen Aleph in der Bibel abzählten, ohne diese Getreuen würden wir heute als jüdische Rasse nicht mehr weiterbestehen. Dies die Wirkung des Geheimnisses. Und der wird ihr nicht gerecht, der die austrocknende Regelverschnörkelung und Abstraktionslust des jüdischen Lebens ״unwirklich״ ,,entwirklichend״ schilt. Nein, keine Flucht vor der Wirklichkeit ist es, sondern das Problem lag so: — entweder das Judentum löst sich unter den Völkern auf, indem es sich dem schlichten Dahinleben ergibt, oder wir wollen es erhalten und stellen es zu diesem Zweck unter einen Zw^ang. Betrachtet man die Notwendigkeit dieses Zwanges als gegeben, so muss man viel״ mehr bewundern, welch ein Maximum an ״Lebendigkeit^ und ״ Wirklichkeitssinn ״ im Judentum wacbgeblieben ist. — Die Konservierungsmittel also, die das Geheimnis des jüdischen Volksinstinkts angewendet hat, sind einschnürend und nehmen manchmal sogar gefährlichen Ressentimentscharakter an, — aber das Geheimnis selbst, das Geheimnis im Innern dieser Mittel ist wie jedes Geheimnis, blühend unübersehbar. Und mit ins Geheimnis gehört es, dass es gerade in dem Augenblick, in dem die Konservierungsmittel ihre Kraft zu verlieren drohen, Instinktlosigkeit nicht mehr abzuwehren scheint, — dass es sich gerade jetzt einen neuen Weg eröffnet: Palästina . . . Zufall? Schicksal^ O. das ist es ja gerade, dass das Geheimnis aus sich selbst hervor Schicksal zeugt, und die Glücksstunde in den fernsten Sternen. Genesis 24. Eine Interpretationsstudie nach Mal bim Von Rabb. Dr. David Feuchtwaug (Wien). Die Schönheit der Erzähluugen der Genesis ist von jeher das Entzücken feinfühliger Leser gewesen; nicht zufällig ist es, dass die Maler die Stoffe für ihre Bilder so gerne aus der Genesis genommen haben. Um ein Beispiel aus dem Erzählungs-