Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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Glaube und Ritus. 205 meinsamen Rhythmus bewahrend, wie von einem unsichtbaren Kapellmeister dirigiert über Meere und Berge hinweg. Kaulen schreibt: ״In der Zeit, aus welcher auch die frühesten dieser Handschriften stammen (NB. es sind ca. 1500) war der hebräische (und chaldäische) Bibeltext schon von den Juden einer Kritik unterzogen und in eine streng abgeschlossene Form gebracht. Einzig diese Rezension ist in allen handschriftlichen Exemplaren erhalten; die Ueberlieferung des fraglichen Textes muss daher, soweit sie auf den vorhandenen Exemplaren beruht, als eine durchaus einheitliche bezeichnet werden. (Folgt eine Darstellung der Massorah) . . . Die Folgen dieses ängstlich genauen Verfahrens zeigt der an den Handschriften beobachtete Tatbestand. Die umfassende Vergleichung, welche Kennikott und Rossi angestellt haben, konnte nur wenige Varianten aulfinden, welche mehr als Schreibfehler bedeuten.“ Demgegenüber der Zustand des in der Christenheit benützten griechischen Textes. ״Im 5. Jahrhundert war keine einzige von allen Ausgaben der Septuaginta in der ursprünglichen Textesreinheit mehr erhalten, weil es zur Gewohnheit geworden war, an dem Wortlaut der Handschriften ohne festen Plan und ohne kritischen Takt zu ändern. Durch seine mühsame Arbeit (Hexapla, sechsprachige Bibel) hatte Origenes gerade das Gegenteil von dem bewirkt, was er ursprünglich beabsichtigte . . . Die handschriftlichen Texte weichen in unzähligen Einzelheiten von einander ab, und es ist noch nicht gelungen, sie auch nur nach Familien zusammenzustellen.a (Kaulen). Das Neue Testament gar zählt nach Tischendorf etwa 30000 Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Zeugnissen der Ueberlieferung. Welche Bedeutung die reine Ueberlieferung für die Glaub- Würdigkeit und Unstrittigkeit der Berichte gehabt hat, braucht nicht dargestellt zu werden. Auf der Festigkeit des Glaubens aber baute sich die Fortexistenz des jüdischen Volkes auf, dieser Damm mitten durch die Flut der Jahrhunderte und der Feinde. So kann man sagen: ״Ohne die Getreuen, die scheinbar sinnlos, nur dunklen Instinkten folgend, ihr Lehen damit verbrachten,