Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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Sozialhygienische Betrachtungen über den Ruhetag. 187 der negativen Componente der Ruhe. Erst Betätigiingslosigkeii verbunden mit Ablenkung werden im allgemeinen die erquickende Erholung einer Ruhezeit zur Folge haben. Dies kann man sieh4* an dem Beispiel des geistigen Arbeiters leicht vor Augen führen. Fielen die positiven Eindrücke des Weges fort, so würden gar leicht die anstrengenden Gedanken in den alten Bahnen festgehalten, auch wenn das Licht erloschen und die Feder der Hand entsunken ist. Der Erfolg der Ruhe wäre dann zum grossen Teil in Frage gestellt. Die erforderliche Dosis der Ruhe ist keine zu begrenzende. Sie ist abhängig von der Kräfteharmonie des Individuums, von der Art und Dauer der Arbeit und von der Art der Ruhe. Doch so verschieden die Verhältnisse im einzelnen sein mögen, durch den Wechsel von Tag und Nacht ist eine gewisse Norm geschaffen, Arbeit und Ruhe müssen sich in bestimmte Proportionen zwängen, wenn die Arbeit des kommenden Tages nicht leiden soll. Wer am Tage viel gearbeitet hat. wird die Nacht ganz anders zur Ruhe ausnülzen müssen und auch können: מתוקה שנת העבד — ותשבע לעשיר אינני מניה לד רישון (Koh. 5,11). Anscheinend gelingt der Nachtruhe — wenn die Tagesarbeit ein gewisses Maximum1) nicht überschreitet — in hohem Masse die Regeneraiion der am Tage absorbierten Kräfte. Bei exakten Beobachtungen wird man indes finden können, dass trotz der Nachtruhe täglich ein Ermüdungsrest zurückbleibt, dessen Wo eben summe deutlich wahrgenommen werden kann. Diese Wochensumme des täglichen Ermüdungsrestes zu paralysieren ist Aufgabe eines wöchentlichen Ruhetage s2). Der Gedanke des Ruhetages lässt sich bis in die ältesten historischen Perioden hinein verfolgen. Schon in den Gesetzen נ) üeber den Maximalarbeitstag siehe Grunwald, Hygiene der Juden (p. 14) und die z. St. angeführte Literatur. 2) Dass die regelmässigen Ruhetage der Woche nicht immer ausreichen, alle Ermüdung zu kompensieren, zeigt die Notwendigkeit einer Jahreserholung für viele Menschen. Vielleicht ist zur Aufhebung der jährlichen Ermüdungsreste die Institution des Siebenjahres (שמימה) wirksam gewesen, das dann nicht nur als ein Ruhejahr für das Land, sondern auch für dessen Bewohner in Erscheinung getreten wäre.