Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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186 Sozialhygienische Betrachtungen über den Ruhetag. reichem Berufe der einzelne angehört. Während die b e s o n - deren Schädigungen der einzelnen Berufe durch die spezielle Berufshygiene erkannt und behoben werden können, gibt es einen Grundtypus der Arbeitsschädigung, der bei jedem Berufe wiederkehrt. Er resultiert aus all den vielen Insulten, die auf die einzelnen Körperorgane und das Nervensystem einwirkeu, ihre Arbeitsleistung herabmindern, sowohl der Quantität als der Qualität nach, um schliesslich die Unfähigkeit zu bewirken, weiterhin Arbeit zu leisten. Auf diesem Vorgang beruht die Ermüdung. Jede Arbeit bringt Ermüdung mit sich, jede Arbeit des Körpers, jede Arbeit des Geistes. Wenn jemand den ganzen Tag über Holz gehackt hat, so hat sich sein Nerven״ system nicht etwa vollkommen erholt, es ist vielmehr am Abend auch nicht mehr in der Lage, geistige Arbeit zu leisten. Auf nicht ganz zutreffender Vorstellung beruht es also, wenn man in dem Schulunterricht eine Turnstunde zwischen die anderen Stunden legt, damit der Geist der Kinder sich erhole. Ha die Turnstunde mit der allgemeinen Erschöpfung auch eine Er- Schöpfung der nervösen Organe zur Folge hat, kann sie die Ermüdung durch die übrigen Stunden nicht aufheben. Nur e i n spezifisches Mittel gibt es gegen die Ermüdung: das ist die j\ u h e. Hie Ruhe kann eine vollständige sein; für den lebenden Organismus findet sie im Schlaf ihren Ausdruck. Baneben gibt es eine partielle Ruhe, bei der nur einzelne besonders erschöpfte Systeme ruhen, während andere vorher nicht benutzte Teile sich betätigen: ein geistiger Arbeiter, der den Tag über an den Schreibtisch gefesselt ist, macht einen Spaziergang ins Freie, Habei ruht das Auge, das lange angestrengt akkomodiert arbeiten musste, die Finger haben sich von der starren Haltung beim Schreiben befreit, und auch der Geist gibt seine angestrengte Zwangshaltung auf. Bagegen betätigen sich die steifgewordenen Beine, die Brustmuskeln weiten ausgiebig die Brust, und die Gedanken schwreifen den Eindrücken des Weges nach. Eine solche positive Betätigung geschonter Organe nennt man Ab- 1 e n k u n g. Sie ist etn nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel