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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 182 (sequence 96)
Language
German
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182 Nachwort des Herausgebers. Nachwort des Herausgebers. In der bedachten und wohl abgewogenen Form, die wir von ihm gewohnt sind, hat der Vf. des obigen Aufsatzes seinen Bedenken über eine höchst missliebige Erscheinung in dem Verhältnis des Beamtenstandes zu den Gemeindeverwaltungen Ausdruck gegeben. Wir wollen nicht so sehr gegen ihn polemisieren, als einiges unterstreichen. Da will es uns zunächst scheinen, dass die Mussarworte mehr an eine andere Adresse gerichtet werden müssten. Wohl handelt es sich hier um ein Problem, um einen Konflikt, in dem beide Parteien im Recht zu sein glauben. Die Einen glauben nicht mehr geben zu können, die Andern mehr beanspruchen zu müssen. Das wäre ein subjektives Moment, und der gute Glanbe mag beiden Parteien zugesprochen werden. Suchen wir aber nach einem objektiven Kriterium, so ist es kein Zweifel, dass die Gemeinde- Verwaltungen die Steile des Stärkeren, die Beamten aber die des Schwächeren einnehmen. Würden die Beamten gleich den meisten Arbeitnehmern heutzutage ihre Ansprüche grund- und rücksichtslos immer höher schrauben, dann wären die Verwaltungen im Recht, sich diesem ungebührlichen Verlangen entgegenzustellen. Aber so ist es doch wahrlich nicht. Man kann sagen, dass von den Beamten zumeist das Existenzminimum nicht erreicht wird. Der Vergleich mit den Verhältnissen der grauen Vorzeit scheint uns völlig abwegig. Unter den Bedingungen des Naturzustandes, unter denen jene Alten lebten, in dem Klima, das der Bedürfnislosigkeit entgegenkam, konnte an eine völlig unentgeltliche Leistung seitens der geistigen Führer gedacht werden. Heute bedeutet eine Unterbilanz in den Einnahmen Unteremährung, Siechtum der heranwachsenden Generation mit allen nicht auszudenkenden Schäden für Körper und Geist. Und im Gefolge eine Zermürbung der Elastizität der geistigen Arbeiter, eine tiefe Verbitterung und völlige Zerstörung der Berufsfreudigkeit. Dass es in den thoratreuen Kreisen zahlreiche Männer gibt, die in ihrer Opferbereitschaft für Zwecke der Gemeinde- Institutionen weit über das Mass auch ihrer moralischen Verpflichtung hinausgehen, ist bekannt. Ebenso sehr aber, dass es andere gibt, die, wenn es an die Tasche geht, an den Idealismus der Angestellten appellieren. Diesen das Gewissen zu schärfen, erscheint uns eine ernste Angelegenheit der öffentlichen Meinung. Wo in Wahrheit leistungsschwache Gemeinden vorhanden sind, da wird es die Aufgabe der Organisationen sein, hier in allererster Reihe helfend einzugreifen und alle verfügbaren Mittel zunächst der materiellen Hebung des Beamtenstandes zur Verfügung zu stellen. Eine Beschränkung in der Verfolgung so manch anderer idealer und an sich be■* rechtigter Ziele ist da angebracht. Es will uns überhaupt bedünken, als ob wir — bei dem kleinen Kreise der in Betracht kommenden Geldgeber — an einer Hypertrophie in der Stellung der Aufgabe leiden. Man wird vielleicht

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