Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 181 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bedenkliche Erscheinungen. 181 meindebeamten nach ihrem wahren Wert zu schätzen wissen, ist es nicht notwendig. Sie werden dem eindringlichen Wort der Belehrung zugänglich sein und werden einsehen, אס אץ קמה אץ תורה, dass der Beamte, der von Nahrungssorgen gequält ist, nicht im stände ist, sich mit freudiger Begeisterung seinem Beruf zu widmen, und dass es im eigenen Interesse der Gemeinde liegt, ihn vor solchen Sorgen zu schützen. Wo aber dieses Verständnis fehlt, da könnte leicht eine andere Wirkung eintreten. Der Fabrikant muss seine Arbeiter haben, wenn er nicht selbst materiell zu gründe geben will, er wird also billigen Forderungen notgedrungen nachgeben. Bei einem Gemeindevorstand aber, dem die Steuern zu hoch sind, und der überhaupt nur noch in losem Zusammenhang mit dem religiösen Leben steht, wird sich vielleicht die Erwägung einstellen: ob denn der jüdische Funktionär so unbedingt notwendig ist, und er wird sich vielleicht auch ohne ihn ahlinden, zumal in einer Zeit, in der es in religiösen Dingen keinen Zwang mehr gibt. Am meisten aber werden dann diejenigen Gemeindemitglieder getroffen werden, die wohl religiöses Verständnis besitzen. Die auch das dringende Bedürfnis nach religiöser Belehrung, nach einer einwandfreien Schechitah usw. empfinden, die aber infolge ihrer materiellen Lage nicht im stände sind, ihrer Meinung den genügenden Nachdruck zu geben. Ich will denen, die nur auf diese Weise der Not der jüdischen Beamten abhelfen zu können glauben, keinen Vorwurf machen; aber ich halte es nicht für unnötig, auf die bedenldichen Folgen eines Vorgehens hinzuweisen, das in seiner gewollten Wirkung zweifelhaft ist, dessen Nebenwirkungen aber nicht zu unterschätzen sind. Wer aber die Thora auf irgend einem Gebiet vertritt, der muss immer über die Interessen des eigenen Standes hinausblickend bei jeder Massnahme sich fragen, ob sie auch nicht geeignet ist, die Gesamtinteressen des Judentums, dessen Wohl uns Vor allem am Herzen liegen muss, zu beeinträchtigen.