Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Monismus oder Dualismus? auch in dieser eingeschränkten Form ist der Monismus kaum zu halten. Denn folgendes erschüttert doch die Möglichkeit jeglichen Monismus: der Zufall wird nicht als mangelnde Ganzheit sondern als Gegenganzheit erfahren. Das Leiden ist nicht lediglich eine Lücke in der Vollkommenheit, Irrtum nicht nur fehlende, noch nicht erworbene Kenntnis, Böses mehr als Ausbleiben des Guten. Es sind konträr© Gegensätze, die Antagonisten der Ganzheit. Und diese Gegensätzepaare schauen wir nicht als Bestandteile unseres Habens, sondern als den Dingen zugehörig (s. Driesch). — Ordnungsmonismus Messe die höchste Setzung, die das Allgemeine und Ganze, zusammengefasst ״das Eine‘־, wäre. Allgemein bedeutet wie in der Mathematik hei der Lehre von den Kegelschnitten: unentwickelt entwickelbar; ganz heisst: jeder Einzelheit die bestimmte Ord«־ nungsstelle an weisen. Zu solcher Setzung ermächtigt uns aber die Erfahrung nicht. Will jemand im Wirklichen unbedingt an der Idee des Monismus festhalten, so lässt sich das nicht verhindern; doch würde er so gefasst sein, dass er in der Erfahrung nicht zum Ausdruck käme. Es wäre dann Monismus ausgesprochen eine Anschauung, die nicht der Welt sondern demjenigen des Wirkliehen, das als Nicht-Welt8) bezeichnet werden kann, zukommt Aber das wäre ein ganz leerer Monismus, der nur ein Dasein, nicht aber das Sosein des Monismus vermuten lässt, eine Lehre ohne irgend welche charakteristischen Merkmale. Dualismus anerkennen aber bedeutet Tatsächlichkeit in Wesentliches und Unwesentliche^ sondern, eine Diskrepanz von Essentia (Wesen) und Existentia (Sein). Und so ist es ganz gewiss erlaubt zu sagen (s. Driesch : Wirklichkeitslehre, S. 284), dass das Wirkliche so geartet ist, dass Ich die dualistische Grund- 8) d. h. der Teil des Wirklichen, der in der Erfahrung gänzlich ohne Spuren ist und auch nicht aus der Erfahrung al3 Theorie abgeleitet werden kann, also was weder Natur noch Ethik usw. ist. Diesem Gebiet gehört an, was ״vor״ aller Weltschöpfung, was ev. ״neben״ der Welt und ״nach״ der Welt war oder ist; auch die hypothetische Un- Sterblichkeit des Individuums ist hierher zu rechnen.