Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 174 (sequence 88)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293004-2293006--04897-2298178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

174 Monismus oder Dualismus? der Entwicklung, der Bildung von Keimzellen, auch nicht mechanistisch zu deuten sind. Doch ist hier nicht der Platz, die vitalistische Frage zu erörtern7). Genug, dass wir wissen, dass organisches Geschehen als echte ganzheitliche Entwicklung eia unräumliches Prinzip, von Driesch Entelechie genannt, zum: Werdegrund hat. Es wirkt in den Raum hinein, nicht i m Raum. Doch da das Werden hier der Materie aufgeprägt ist, verknüpft sich hier Ganzheit mit Zufall. Aehnlich liegen die Dinge in der Ethik. Zwar ist Ent- Wicklung in der Ethik kein häufig wiederkehrende3 Werden wiein der Biologie. So wäre denn, wenn anders Ethik ganzheitliches Werden ist, die Entwicklung noch nicht abgeschlossen, daher ist das Ziel nicht gewiss und die Ganzheit nur hypothetisch. Jedenfalls ist die Annahme einer überpersönlichen Ganzheit dm sinnvollste Ausdeutung meines sittlichen Bewusstseins. Reue und sittliche Befriedigung würden am meisten ordnen, wenn sie mir über meine Rolle in der Gesellschaft, über erfüllte oder verfehlte Leistung im Ganzen unmittelbar Kunde gäben. Freilieh ist auch hier keine restlose Ganzheit, weil das Böse die Entwicklung hemmend beeinfiusst. Schwieriger ist die Sachlage in der Geschichte: hier ist sehr viel Unganzheitliches, das man Kumulation genannt hat* Doch sind, ähnlich wie die Konstanten in der Naturwissenschaft, Ganzheitszüge vorhanden: Gesetze in der Geschichte, wie sie Lamprecht aufgestellt hat. Ferner sind das sittliche Bewusstsein, die Harmonie der menschlichen Berufe und endlich die Heterogonie der Zwecke (Wundt), die Tatsache, dass oft eine Handlung nicht beabsichtigte zweckmässige Folgen hat, einer Ganzheit Anzeichen (s. Driesch, Wirkl. L.). Doch ist die Geschichte als wesentliches Ganzheitsgeschehen, jedenfalls soweit es sich um Menschheitsgeschichte handelt, durch Erfahrung nicht erweisbar. — Eine echte Entwicklung scheint freilich Wissensgeschichte zu sein. 7) Ausführlich in Driesch: Vitalismus als Geschichte und Lehre, Leipz. 1905 u. Philosophie des Organischen, Leipzig 1909 2 Bd. u. a. Schriften.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.