Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2292929-2293004-2293006--04895-2298176- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
172 Monismus oder Dualismus? denn doch nicht die einzige zwangläufige Denkmethode ist. Auch ist durchaus unerwiesen, dass das Naturgeschehen von Ewigkeit her ״ist״ (auch dieser Gedanke, der ja für die Auffassung der theistisehen; also auch jüdischen, Lehre von hoher Bedeutung ist — vgl. Maimonides — findet sich bei Driesch). Ganz kurz definieren wir nach Driesch die Begriffe notwendig und zufällig; notwendig ist, was mitgesetzt ist, also im Logischen die Setzung a b durch die Setzung a b c, d. h. die inhaltärmere wird durch die inhaltreichere mitgesetzt. Zufällig aber ist Dasein und Werden, weiches sich nicht irgend einer Ganzheit einreihen lässt.5) Dabei ist unter Ganzheit nicht lediglich eine Summe von Teilen, die untereinander Beziehungen aufweisen, verstanden, sondern die Beziehung der Teile selbst ist von der Gesamtheit bestimmt. Im Ganzen ist vom Ganzen her dem Teil der Platz eindeutig angewiesen. Nachdem wir oben die Unmöglichkeit eines am Anfang allen Erlebens stehenden allgemeinen ordnungsmonistischen Ideals erkannt haben, wäre noch die Möglichkeit eines Naturordnungsmonismus vorhanden. Es könnte ja sein, dass mit dem Begriff Natur nun alles Besondere in ihr restlos in Ordnung geschaut werden würde. Aber auch das trifft nicht zu. Die Setzung Natur setzt nicht alle Sondererlebnisse im Rahmen Natur mit. Und nur das hiesse Monismus in der Natur im strengen Sinn. Die grosse Bedeutung, die der Induktion im Rahmen der Naturwissenschaft zukommt, der Induktion, die vom Fall zur Klasse, von Löwe und Wolf zum. ״Raubtier“ schreitet, beweist am besten, wie weit die Naturlehre vom monistischen Ideal entfernt ist. — Nur auf zwei kleinen Sondergebieten gibt es echtes Mitgesetztsein des Besonderen durch Allgemeines: in der analytischen Geometrie gibt uns die Gleichung der Kegelschnitte zugleich alle Speziaifäiie, nämlich Parabel, Ellipse,. Hyperbel etc., an. Und in der klassischen 5) In meinem Aufsatz ״Erschaffung, Entstehung. Entwicklung׳, Jesehurun V. S. 18 t habe ich Zufall nach K. E. von Baer definiert als ein ״Geschehen, welches mit einem anderen zusammentriiit, mit dem es nicht in ursächlichem Zusammenhang steht‘*. Ich bevorzuge die nach Driesch gegebene als die weitergehende.