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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 164 (sequence 78)
Language
German
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164 R. Jisroel Salanter a. die Massarbewegung. Westens sofort einen rationalistischen Einschlag bekam (unter dem Einfluss der französischen Enzyklopädisten) und bald Aeusserangen •des Hasses gegen die Tradition und die überliefertenLebensformen an den Tag legte, trug in Litauen einen romantischen Charakter und fand im romantischen hebräischen Schrifttum jener Epoche Ausdruck (Abraham Mappu in seiner ersten Epoche, Mordechai Aharon Ginzburg, R. Kalman Schulmann, אדי״ם הנהן und sein Sohn Michah Lebensohn). Ihr Geist und die Gesinnung ihrer Wegweiser war von Liebe zum Gesetz, zu ihrer Heiligkeit und Schönheit, von unendlicher Zugeianheit zur Sprache der Propheten und Lechzen nach der Vergangenheit des Volkes durchglüht (אהבת ציון des Abraham Mappu). Damals war die Haskalah sowohl in ihrer Form als auch in der ihr innewohnenden Tendenz hebräisch. War auch diese Aufklärung in ihrem Herzen nicht authochton jüdisch und wurzelte selbst die Entstehung dieser Bewegung nicht im Boden des Judentums, entstammte sie vielmehr fremden Einflüssen, so hatte sie doch zweifellos viel aus dem Born des jüdischen Idealismus geschöpft und strebte nach innen, der jüdischen Gemeinschaft zu, ohne sich vor der Umwelt zu erniedrigen. Deshalb nehmen wir auch in Litauen keino lebhafte Gegnerschaft gegen die Bewegung wahr, und keinesfalls war die Erbitterung so heftig wie in Deutschland oder Galizien. Und wenn auch in Litauen, besonders in den Kleinstädten, die Maskilim von den Frommen und Talmudisten befehdet wurden, so nahmen die Verfolgungen doch nie die hässlichen Formen wie in anderen Ländern an. Und in Wilna, dem ״Jerusalem Litauens״, breitete sich die Haskalah ohne Widerstand seitens der frommen בעלי-־בתים und selbst der Talmudjünger aus; ohne Gewalt bahnte sie sich ihren Weg. Fast gab es in Wilna überhaupt keinen Haskalahkampf. In Eintracht lebten dort die. Lomdim und Maskilim, die Talmudgelehrten und die Sprachforscher, die Poeten der Religion und die der Literatur. Und das Volk verehrte gleichermassen seine Rabbiner und Gaonim, seine Gelehrten und Schriftsteller. Auch letztere galten ihnen als תלמידי חכמים, als neuer Typus von תלמידי הכמיס. Und das waren sie in der Tat.

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