Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 157 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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,Licht und Schatten“. 157 ״Licht und Schatten“. Von Prof. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. Im Jeschurun Heft 9/10 v. J. veröffentlicht Rabb, Dr, F. Kanter eine schöne homiletische Betrachtung über die Euphemie נרו יאיר, die er mit dem Jomkippurlicht in Verbindung bringt, und über die Anschauung vom Verschwinden des menschliehen Schattens in der Nacht zum Hoschana rabbab. Wenn ich jetzt versuche, diese beiden Punkte, Jomkippurlicht und Schattenschwund wissenschaftlich zu erklären, so will ich mich damit durchaus nicht in Widerspruch zu Herrn Rabb. Kanter setzen, im Gegenteil, ich schätze eine ethische Wertung unserer jüdischen Gebräuche sehr hoch, weil sie manchen von diesen das Befremdliche nehmen und sie dem Gemüt und Herzen näher bringen. Beginnen wir mit dem Schatten. Rabbiner K. hat mit Recht darauf hiugewiesen, dass bei den Juden der Schatten nicht eine so grosse Rolle spiele wie in der heidnischen Welt. Im Hades weilen die Schatten der Verstorbenen, lebende Menschen kann der Fährmann Charon nicht über den Styx bringen, denn für Menschenschwere ist der Nachen nicht gemacht, nur leichte Schatten kann er aufnehmen, darum weigert er sich anfangs, den Herkules überzusetzen. Der Menschenschatten ist also hier keine Negation des Lichts, sondern ein wirkliches Etwas, das dem Menschenkörper anhaftet, eine Art feinen, dem blossen Auge kaum sichtbaren Gewebes, das den Körper überzieht und sich vom Körper beim Tode ablöst, um im Hades weiterzuleben. Das Judentum hat im allgemeinen mit solchen Anschauungen nichts zu tun, wenn auch nicht verschwiegen werden soll, dass die spätere jüdische Mystik von einer solchen nicht ganz frei ist. (Man vgl. die Bedeutung des ונסו הצללים in Hohel. 2,17 bei Bachja zu IV. b. M♦ 14,9.) Im Judentum ist für die Anschauung eines Schattenreichs wie bei den Griechen kein Raum, darum ist es zu ver-