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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 139 (sequence 53)
Language
German
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Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 139 anderen entsprechend gegenüber legen; Abram scheucht die Vögel, die sich auf die toten Leiber herablassen wollen, weg, und er fallt in einen tiefen Schlaf, und grosse Bestürzung überkommt ihn. Und dann heisst es: An jenem Tage hat Gott einen Bund, בריית, mit Abram geschlossen also: Deinem Samen gebe ich dieses Land. Reik und schon vor ihm andere moderne Erklärer glauben die Idee dieses Bündnisses darin zu erblicken, dass der Schwörende, der durch das Tier und seine Teile hindurchschreitet, (vgl. Jer. 34, 16) sich mit dem Tiere identifiziert und für den Fall des Bündnisbruches des Tieres Schicksal auf sich herabschwört. Nun ist nach Reiks Auffassung das Brissritual die Vorstufe des späteren Opferrituals. Sie stellt (nach Reik) eine Zwischenform dar, die sich aus der ursprünglichen, der menschlichen Urhord e eigentümlichen Totemma hl zeit (siehe oben) entwickelt hat. Die Totemmahlzeit war aber, wie oben dargelegt, zur Erinnerung an einen angeblich in der Urzeit von der Urhorde geschehenen Vatermord eingesetzt worden. Jeder Brith und jeder Schwur behielt nun fortan den tiefen unheimlichen Untersinn, dass die Menschenkinder ihrem Vatergott versprechen, die Untat an ihrem Vatergott niemals wieder zu verüben. Dies ist ein Gefühlsmotiv, das unbewusst seit Urzeiten in der Seele des schicksalbe]adenen Schwörers fortwirkt. Bei jedem Eidschwur bei Gott erwacht die uralte Tendenz unbewusst, den Frevel des Gottes- und Vatermordes zu erneuern, doch in Ansehung der fürchterlichen Strafandrohung (der verstorbene, getötete Gott oder Mensch kann nacli Annahme primitiver Menschen als Gott dem Ueberiebenden noch grossen Schaden bringen) und der Selbstverwünschung des Schwures werden solche Tendenzen sehr rasch unterdrückt. Freud behauptet,־dass Sittlichkeit, Religion, Schwur, Opfer und stetes Schuldbewusstsein an jenes eine grosse ur zeitliche Verbrechen anknüpfe. Nach diesen etwas komplizierten Vorbemerkungen wollen wir den Schlüssel zur Kol-Nidre-Enträtselung linden: Kol-N. ist ein Unwirksammachen der Eidschwüre von vornherein, aus Ueber- Ängstlichkeit, eine Sch ui zmassregel zur Abwrehr des Unheils,

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