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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 134 (sequence 48)
Language
German
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134 Ueber Entvricklungsethik. Nach unserer Anschauung hingegen sind höchstens die letzten Auswirkungen der Tathandlungen einer der Vollendung zugewandten Abänderung fähig; die Gesetze selbst, die zum Ziel des göttlichen Sittenideale3 führen, sind unveränderlich. Von geringerer praktischer Bedeutung ist für den Juden Hertwigs Behauptung, dass zwischen Mensch und Tier ein gradueller und nicht prinzipieller Unterschied bestehe. Durch unsere Er- Wägungen erledigt sich diese These von selbst. Alles in allem: wir kommen zur Ablehnung auch der jungen Hertwigschen Lehre, wenn auch dessen biologische Forschungen bei gewissen Einschränkungen vieles annehmbare Neue bieten. Die Anwendung der Psychoanalyse auf die Erforschung religionswissenschaftlicher Probleme. Von Dr. Armin Blau, Hamburg. (Schluss). II. Das K 0 1 ־ N i d r e. Bekannt sind die Schwierigkeiten, die sich dem einfachen Verständnis des Kol-Nidre am Eingang des Versöhnungsfestes entgegensetzen. Drei Tatsachen sind dabei hauptsächlich rätselhaft: 1. Das Kol-Nidre-Gebet stellt eine Formel dar, welche erklärt, dass alle Gelübde, Eide, Entsagungen usw., die wir im kommenden Jahre aussprechen sollten, als ungültig erklärt werden, was im krassen Widerspruch zur hohen Wertschätzung eidlicher Verpflichtungen und Versprechungen im biblischen und talmudischen Judentum steht. 2. Wie kommt es, dass diese nüchterne, fast juristisch schematische Formel auf den Hörer, bez. die Gemeinde einen solch erschütternden Eindruck macht? Sollte es nur die eigenartige Melodie sein, die den Hörer, gläubig oder ungläubig, musikalisch oder nicht, mit dunkler Gewralt so sehr in ihren Bann zu schlagen imstande ist? 3. Warum ist diese juristische Schwurformel als Eingangsgebet für den höchsten aller;jüdischen Feiertage vorgesehen?

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