Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 132 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Ueber Entwicklungsethik. Innera-Vorhandenseins Wert zu legen ist. Oder anders aus״ gedrückt: der Tod ist nicht der Nullpunkt des Lebens, so wie die Ruhe eine Bewegung im Stadium Null ist, sondern er be~ findet sieb ausserhalb des Lebens und ausserhalb der auf es angewendeten Begriffe. Stets verwischt wird auch die zweite Kluft im Reich "der Natur, der Unterschied zwischen Tier und Mensch. Beide leben. Daher hat man immer wieder versucht, auf Grund anatomischer und physiologischer Gleichheiten die psychische Brücke zu schlagen zwischen Mensch und Tier. Dabei wird freilich vergessen: dass der Mensch Vernunft und Sprache besitzt. Diese grundlegenden Merkmale versuchen zwar verschiedene Schulen ebenfalls als Entwicklungsprodukt hinzustellen8). Aber auch nach ihnen besteht ein Unterschied zwischen Mensch and Tier: das Moment des Schöpferischen. Auch wenn es nur in der Bereitung der Nahnmg zum Ausdruck kommt! Ein Tier, das kocht, ist undenkbar! Wir erblicken in diesem Vorzüge des Menschen zu produzieren, die psychische Voraussetzung für den ihm vom Schöpfer verliehenen Vorzug, die Welt zu beherrschen (Vergl. Ramban zu Gen. 1, 28). Dieser Unterschied zwischen Mensch und Tier dürfte entwicklungsgeschichtlich schwer erklärt werden. Mit der Einführung des Momentes des Schöpferischen geht auch die Entstehung von Sitte und Recht einher, die nichts anderes als die Beziehungen der Menschen d. h. der Schaffenden zueinander und zu ihrer Umwelt d. h. zu dem zu Schaffenden und Geschaffenen regeln. So wird die scheinbare Einheitlichkeit der Natur durch die Gegensätze Leben — Leblosigkeit, Mensch — Tier in einzelne Reiche zerrissen. Die zweite Grundlage für Hertwigs Aufbau ist die Analogie und die Vergleichung der Wirkungen bei den verschiedenen 8) Es bestehen hier verschiedene Theorien, die sich nach den Gesichtspunkten einteilen lassen, ob die Vernunft vor der Sprache oder nach ihr oder mit ihr entstanden sei. Eine ausführliche Darstellung findet eich bei Steinthal, ״Der Ursprung der Sprache . . 188S, eine kürzere bei Wundt, Völkerpsychologie, 2. Bä.