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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 131 (sequence 45)
Language
German
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Ueber Ent Wicklungsethik. 131 und Vervollkommnung fähig, entsprechend der Hebung der Menschennatur und der Vertiefung der menschlichen Gesellschaft. Die soeben wiedergegebene Hertwigsche Theorie über die Entwicklung der Ethik besitzt infolge ihrer Gefälligkeit und ihrer Natürlichkeit einen starken Anreiz. Dazu kommt, dass sie nicht wie die Lehren der Rassen-Eugeniker durch absurde Forderungen abstossend wirkt. Aber gerade deshalb erscheint es besonders notwendig, sie zu prüfen. Zwei Fragen sind zu stellen: Steht die Theorie auf festen Grundlagen? Und.weiter: da sie keine neuen Ziele steckt: Lässt sie sich mit der jüdischen Ansehauung vereinbaren? Der Grundlagen erste ist die homologe Reihe der Organisationstufe im Reiche der Natur. In Wirklichkeit ist die bestehende Rangordnung keine solche. Zwei tiefe Abgründe durchsehneiden den Weg vom Atom zur Menschengemeinschaft. Wie ist aus der toten Materie die lebende Zelle entstanden? Solange diese Frage noch in Dunkel gehüllt ist. muss man die Welt des Toten von der Welt des Lebenden trennen. Der tote Stoff ändert seinen chemisch-physikalischen Zustand nur durch Einwirkung einer von aussen kommenden Energie — aber der lebende Stoff kann seinen chemisch-physikalischen Zustand von sich aus (״Lebenskraft״ des Vitalismus) ändern und den von aussen kommenden Energien gegenüber in eigenartiger Weise reagieren6). Zwar könnten die Biologen zur Verteidigung ihrer Auffassung von der Einheit der Natur mit Schopenhauer7) hier entgegnen: Die Kraft, vermöge welcher ein Stein zur Erde fällt oder ein Körper den anderen fortstösst, ist ihrem inneren Wesen nach nicht minder fremd und geheimnisvoll, als die, welche die Bewegungen eines Tieres hervorbriugi.“ Demgegenüber betonen wir, dass bei aller zugegebenen Fremdheit der Kräfte dennoch auf das Moment des Von-Aussen-Wirkens oder des Im- 6J Der Vergleich zwischen der lebenden und der abgestorbenen Zelle ergibt Schwierigkeiten, da infolge von Veränderungen der Organisation der Zelle die genaue Grenze zwischen Leben und Tod schwer festzustelien ist. 7) A. Schopenhauer. Die Welt als Wille und Vorstellung.

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